Gesundheit

Arthrose und Polyarthrose in Fingern und Hand

Arthrose in Fingern und Hand erkennen und behandeln

Arthrose in Fingern oder Händen zeigt sich durch Knoten und Verdickungen an den Gelenken oder schmerzende, steife Finger. Sind dabei mehrere Gelenke betroffen, spricht man von Polyarthrose. Bei ganz alltäglichen Verrichtungen führt diese Form des Gelenkverschleißes häufig zu großen Problemen. Wie Sie die Symptome richtig bewerten, Ursachen verstehen und was Sie selbst zur Verbesserung tun können, lesen Sie hier.

Was ist Arthrose und welche Gelenke kann sie betreffen?

Unter Arthrose oder Gelenkverschleiß versteht man eine degenerative Erkrankung, bei der mit der Zeit die Knorpelschicht der Gelenke immer mehr zerstört wird. Schließlich reiben die Knochen des Gelenks aufeinander, was zu starken Schmerzen führen kann. Arthrose kann jedes Gelenk befallen. Hauptsächlich kommt sie in Knien, Hüfte sowie Händen und Fingern vor. Sind gleichzeitig mehrere Gelenke betroffen, spricht man von Polyarthrose.

Gesunder Zeigefinger links und Zeigefinger mit Verformung durch Arthrose im Endgelenk auf der rechten Seite
Bildnachweis: AdobeStock_Kalim

Wie erkennt man Arthrose im Finger- oder Handgelenk?

Arthrose der Finger

Zu Beginn der Erkrankung klagen Betroffene über steife Finger beim Erwachen, diese sind manchmal gerötet, heiß oder angeschwollen. Auch zystische Knoten können auftreten. Im weiteren Verlauf kommt es zu Belastungsschmerzen und Einschränkungen der Beweglichkeit. Alltägliche Tätigkeiten wie das Öffnen einer Flasche oder das Zuknöpfen der Jacke verursachen Beschwerden und fallen den Betroffenen zusehends schwerer. Im fortgeschrittenen Stadium treten Schmerzen auch ohne Belastung auf, und es kommt zu Verformungen bis hin zur kompletten Versteifung des Gelenks. Gerade in den Fingergelenken lässt sich eine Arthrose von Laien häufig mit einer Rheumatoiden Arthritis verwechseln, da sich die Symptome zunächst ähneln. Eine genaue Diagnose verlangt hier ausführliche Untersuchungen und kann u.a. mithilfe von Blutuntersuchungen erstellt werden.

Arthrose im Handgelenk

Verschleiß ist grundsätzlich in jedem Bereich des Handgelenks möglich. Meistens versteht man unter Handgelenksarthrose jedoch die Arthrose in den Gelenken zwischen Speiche und Kahnbein oder aber zwischen Speiche und Elle.

Die Handgelenksarthrose tritt oft in Folge von Knochenbrüchen, besonders des Kahnbeins oder der Speiche, auf. Auch Bänderrisse im Handgelenk können diese Erkrankung begünstigen.

In den meisten Fällen liegt bei den Arthrosen der Finger- und Handgelenke eine Polyarthrose vor, d. h. es sind mehrere Gelenke betroffen.

Ausprägungen der Fingergelenksarthrose

Die Arthrosen, bzw. Polyarthrosen der Finger unterteilt man in drei Kategorien, je nachdem, welche Fingergelenke betroffen sind.

  • Heberden Arthrose: Diese nach dem englischen Arzt William Heberden benannte Arthrose betrifft die Fingerendgelenke. Dabei handelt es sich um die häufigste Form der Fingergelenkarthrosen.
  • Bouchard Arthrose: Bei dieser Arthroseform, benannt nach dem französischen Mediziner Charles-Joseph Bouchard, sind die mittleren Fingergelenke betroffen. Sie ist bei ca. 18 Prozent aller älteren Menschen zu finden, hauptsächlich handelt es sich dabei um Frauen. Man vermutet, dass die Bouchard Arthrose genetisch bedingt ist und durch hormonelle Faktoren ausgelöst wird.

Von Rhizarthrose spricht man, wenn die Arthrose den Daumen betrifft.
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  • Rhizarthrose: Unter Rhizarthrose versteht man den Gelenkverschleiß des Daumens bzw. des Daumensattelgelenks. Nach der Heberden Arthrose handelt es sich um die zweithäufigste Form, unter der ca. 10% der Gesamtbevölkerung leiden. Weil das Sattelgelenk des Daumens an fast allen Bewegungsabläufen beteiligt ist, führt die Rhizarthrose zu einer Vielzahl von Einschränkungen im Alltag.

Ursachen von Finger- und Handarthrosen

Je nach Ursache unterscheidet man zwischen primärer Arthrose, die auf biologische und genetisch bedingte Ursachen zurückgeführt wird, und sekundärer Arthrose, die entweder durch mechanische Überbelastung, entzündliche Veränderungen oder aber durch stoffwechselbedingte oder hormonelle Störungen hervorgerufen wird.

Während die Arthrose in anderen Körperteilen häufig als Folge einer Überbelastung, eines Unfalls oder eines entzündlichen Prozesses auftritt, handelt es sich bei der Erkrankung der Finger- und Handgelenke üblicherweise um primäre Arthrosen. Verschleiß und falsche Belastung spielen hier eine untergeordnete Rolle. Man findet die Arthrose der Finger- und Handgelenke nicht signifikant häufiger in bestimmten Berufsgruppen. Bei Erkrankten ist nicht unbedingt nur diejenige Hand betroffen, die mehr belastet wird. Fehl- und Überbelastungen können bei einer bereits bestehenden Arthrose oder Polyarthrose jedoch zu einer Verschlimmerung führen.

Hormonelle Veränderungen und Erbanlagen

Frauen in und nach den Wechseljahren sind nach Angaben der Deutschen Rheuma-Liga von der Fingergelenksarthrose sieben bis zehnmal häufiger betroffen als Männer. Daher geht man davon aus, dass die Hormonumstellung während des Klimakteriums als Ursache eine Rolle spielt. Auch die Tatsache, dass Frauen hormonell bedingt schwächere Gelenke haben, könnte ein Grund für das vermehrte Auftreten sein.

Die Beobachtung, dass die Erkrankung gehäuft innerhalb bestimmter Familien zu finden ist, spricht für eine erbliche Veranlagung.

Therapien bei Arthrose in Fingern und Hand

Arthrose lässt sich vorerst nicht heilen, daher ist jede Therapie darauf ausgerichtet, die Symptome zu lindern sowie den Verlauf positiv zu beeinflussen und die Beweglichkeit wiederherzustellen.

Maßnahmen zur Linderung akuter Symptome

Hierzu gehören die Einnahme von schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten. Auch Injektionen von Hyaluron und Cortison können Schmerzen kurzfristig lindern, stellen jedoch keine Dauerlösung dar. In akuten Phasen haben Wärme- oder Kältebehandlungen wohltuende Effekte, während Hilfsmittel wie Bandagen und Schienen während der Nacht für Ruhigstellung der Gelenke sorgen.

Physiotherapie hilft bei Arthrose der Hand und Finger die Beweglichkeit zu erhalten.
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Therapien zur Verbesserung der Beweglichkeit

Bei der Physio- und Ergotherapie wird die Geschmeidigkeit und Beweglichkeit der Gelenke mithilfe spezieller Fingerübungen verbessert. Diese können teilweise zuhause selbst durchgeführt werden.

Die Manuelle Therapie sorgt mit aktiven und passiven Dehnungen für die Kräftigung und Beweglichkeit der Gelenke.

Bei der Physikalischen Therapie wird die Behandlung durch äußere Reize wie warmes Wasser unterstützt.

Was Sie selbst bei Arthrose in den Fingergelenken tun können

Mit speziellen Fingerübungen und einer Veränderung der Ernährung können Betroffene die Symptome der Arthrose oder Polyarthrose in den Fingern und der Hand lindern.

Fingergymnastik für mehr Beweglichkeit

Ausgewählte Übungen kräftigen die Muskulatur rund um die Gelenke und sorgen für eine bessere Nährstoffversorgung der Knorpel. Viele davon lassen sich leicht in den Alltag integrieren und können so regelmäßig zuhause durchgeführt werden. Um eine langfristige Wirkung zu erzielen, sollte die Fingergymnastik regelmäßig auf dem Programm stehen.

Übung: Greifende Finger

Greifende Finger - Bild 1
Bildnachweis: GU/Johannes Rodach

  • Sie führen beide Arme so vor den Körper, dass sich die Hände auf Höhe der Brust befinden, die Ellenbogengelenke sind leicht gebeugt.
  • Die Handflächen zeigen zueinander, die Finger weisen nach vorne, die Daumen nach oben. Die Schultern hängen locker herab. (Bild 1)
  • Führen Sie zehn lockere Greifbewegungen mit den Fingern aus. (Bild 2)
  • Drehen Sie nun die Hände so, dass die Handflächen Richtung Boden zeigen, die Daumen liegen jetzt innen. Die Ellenbogen halten Sie gebeugt nahe am Körper.
  • Führen Sie wieder zehn lockere Greifbewegungen aus.
  • Drehen Sie abschließend die Hände so, dass die Handflächen nach oben zeigen, beide Daumen befinden sich außen, die Ellenbogen verbleiben nahe am Körper.
  • Führen Sie wieder zehn lockere Greifbewegungen aus.
  • Variante: Üben Sie alle drei Greifformen mit Tennisbällen, dadurch werden die Muskeln in einem anderen Winkel beansprucht.

Greifende Finger - Bild 2
Bildnachweis: GU/Johannes Rodach

Übung für die Handgelenke

Übung für die Handgelenke - Bild 1
Bildnachweis: GU/Johannes Rodach

  • Sie stehen in Grundstellung. Heben Sie nun einen Arm bis auf Höhe der Brust vor den Körper.
  • Die Finger zeigen nach vorne, der Daumen liegt oben, der Ellenbogen ist leicht gebeugt, um ihn aus der Bewegung herauszunehmen.
  • Nun beugen Sie die Hand im Handgelenk 10-mal nach oben himmelwärts. (Bild 3)
  • Danach beugen Sie die Hand im Handgelenk 10-mal nach unten zum Boden. (Bild 4)
  • Anschließend beugen Sie die Hand im Handgelenk 10-mal abwechselnd in beide Richtungen.
  • Die Schultergelenke bleiben dabei stets locker und bewegen sich nicht mit.
  • Anschließend üben Sie mit der anderen Hand.

Übungen für die Handgelenke - Bild 2
Bildnachweis: GU/Johannes Rodach

Pflanzenbasierte Ernährung gegen Entzündungen

Entzündungen stellen eine Hauptursache für Gelenkbeschwerden dar. Aus diesem Grund sollten Betroffene Lebensmittel meiden, die Entzündungsprozesse fördern und ungünstige Fettsäuren enthalten. Dazu gehören fett- und zuckerreiche Lebensmittel, raffinierte Kohlenhydrate, tierische Eiweiße sowie Fertiggerichte und Genussgifte. Lesen Sie hier ausführlich, wie Sie Arthrose mit Ernährung positiv beeinflussen können.

Stattdessen sollte die Ernährung bei Arthrose pflanzenbasiert und basenüberschüssig sein. Daher gehören in erster Linie Gemüse und Obst, gesunde Fetten und vollwertige Getreideprodukte auf den Teller. Auch spezielle entzündungshemmende Gewürzmischungen mit Kurkuma, die sich leicht selbst herstellen lassen, helfen Entzündungen einzudämmen.

Antientzündliche Ernährung: Etwa 50% Gemüse, Salat oder Obst gehören bei jeder Mahlzeit auf Ihren Teller.
Bildnachweis: GU_Ela Strickert

Damit der Start in die arthrosegerechte Ernährung gut gelingt, finden Sie auf VITALISSIMO auch konkrete Tipps zum Speiseplan mit einfachen Gerichten zum Nachkochen. Wie wäre es beispielsweise mit einer schmerzlindernden "Goldenen Suppe"?

Manche Knorpel- und Gelenkbausteine werden selbst nach einer Umstellung auf entzündungshemmende Nahrung nicht im benötigten Umfang aufgenommen. Was es mit Kieselsäure, Glucosamin und Chondroitin als Nahrungsergänzungsmittel auf sich hat, stellt folgender Artikel zusammen.

Veröffentlicht am 03.07.2021

Publication date

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Quellenverzeichnis

  1. GU Bestseller "Arthrose behandeln durch Übungen mit dem Shaolin-Prinzip"

    Arthrose heilen mit dem Shaolin-Prinzip. Dr. Siegbert Tempelhof, Dai-Sifu Bahri Erdogan. GU Verlag.

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