vitalissimo logo black format svg
Gesundheit
25
Icons/Date
Veröffentlicht am 25.10.2022

Die Atmung – Lebensfreund und Wegbegleiter

Es ist die wichtigste Freundschaft unseres Lebens: Die Atmung ist als direkter Draht zur Seele immer an unserer Seite. So stärken Sie diese Verbindung…

Frau, die am Fenster sitzt

24.000 Mal – so oft atmen wir im Schnitt am Tag. Bildnachweis: iStock/Maria Korneeva

Gibt es jemanden, der immer bei uns ist, egal in welcher Situation wir uns gerade befinden? Jemand, der uns unser ganzes Leben lang begleitet und uns jederzeit und überall dabei helfen kann, uns nicht zu verlieren in Ängsten oder Nöten? Jemand, auf den wir uns verlassen und mit dem wir uns verbinden können, wenn wir Beistand brauchen? Ein Freund, dem wir uns bedingungslos anvertrauen dürfen, weil er uns zuverlässig in unsere innere Kraft und Verbundenheit mit dem großen Ganzen führt?

Wir haben Alle diesen wundervollen Lebensfreund in uns – wenn wir uns die Zeit nehmen, unsere Atmung bewusst wahrzunehmen, sie kennen zu lernen und uns mit ihr vertraut machen, trägt uns diese Verbindung durch unser ganzes Leben. Die Atmung wird zu einem wahren Freund, dessen Unterstützung wir uns bewusst holen können, wann immer wir sie brauchen.

Sich dem Atemstrom anvertrauen

Mit einer tiefen Einatmung beginnt unser Leben und mit einer langen Ausatmung endet es. In der Zeit dazwischen ist die Atmung bei uns, fließt durch uns hindurch und begleitet uns in jedem einzelnen Augenblick. Wir können darauf vertrauen, dass sie immer da ist und auf eine ganz einzigartige und wundervolle Art und Weise für uns sorgt, auf der körperlichen Ebene und auch auf der seelischen Ebene.

Die Atmung ist ein lebensnotwendiger, physiologischer Vorgang, der fortwährend – also auch gerade jetzt in diesem Moment – für uns arbeitet und unseren Organismus mit Sauerstoff versorgt.
Im Schnitt atmen wir vierundzwanzigtausend Mal am Tag. Die Inder sagen: Jedem Menschen ist nur eine bestimmte Anzahl von Atemzügen im Leben zugeteilt. Es liegt an uns, wie wir damit umgehen, ob wir sie schnell vergeuden oder sie achtsam und ruhig in uns bewegen, den Atemstrom fließen lassen, uns mit ihm verbinden und uns dem Strom des Lebens anvertrauen.

In der Art und Weise wie wir den Strom des Lebens über die Atmung in uns aufnehmen spiegeln sich unsere Gedanken und Einstellungen zum Leben. Über den Atem können wir unser Erleben und unsere Emotionen beeinflussen. Wenn wir lernen bewusst zu atmen, lernen wir auch bewusst zu leben.

Über die bewusste Atmung können wir uns zu jeder Zeit, in jeder Situation mit uns verbinden und zu uns kommen. In der Meditation nehmen wir uns Zeit, uns mit der Atmung anzufreunden und vertraut zu machen. Dabei verstehen wir immer mehr, dass die bewusste Atmung unser Leben verändert.

image
Bewusster atmen, bewusster leben. Bildnachweis: AdobeStock/Alex

Verbunden mit unserer Innenwelt und der Außenwelt

Wenn wir ganz bei unserer Atmung verweilen und alles andere loslassen, können wir tief in unsere Innenwelt eintauchen. Gleichzeitig sind wir verbunden und eins mit der Außenwelt. Wir sind Teil der Natur, atmen den Sauerstoff ein, den der Baum ausatmet. Unsere Lunge ist der "Lebensbaum" unseres Körpers. Sie liegt in unserem Brustkorb wie ein auf den Kopf gestellter Baum.

Mit Nase und Mund, den Wurzeln des Baumes, atmen wir ein, am Kehlkopf öffnet sich der Kehldeckel, die Erdoberfläche, und die Luft strömt durch die Luftröhre, den Baumstamm, in die Lungen, die Baumkrone. Der Stamm teilt sich in zwei dicke Hauptäste, in den rechten und linken Lungenflügel, auf. Die röhrenförmigen Bronchien verzweigen sich immer mehr in kleine Äste wie bei einem Baum. Die Luft gelangt bis zum Ende der Äste in die "Blätter des Baumes", die traubenförmig angeordneten Lungenbläschen, und durchströmt so den ganzen Organismus mit Leben.

Vertrauen in den Lauf der Dinge

Wenn wir uns das bewusst machen, empfinden wir uns als Teil des großen Ganzen. Das Gefühl, getrennt zu sein löst sich auf und geht über in eine ganz natürliche Geborgenheit in uns und in der Welt. Wir fühlen uns aufgehoben, das Leben strömt durch uns hindurch, es lebt uns, uns kann nichts passieren.

Rainer Maria Rilke hat dieses Empfinden sehr schön in Worte überführt: "Durch alle Wesen reicht der eine Raum: Weltinnenraum. Die Vögel fliegen still durch uns hindurch. O, der ich wachsen will, ich seh hinaus, und in mir wächst der Baum."

Der direkte Draht zur Seele

Wenn wir uns die Zeit nehmen, uns mit unserer Atmung vertraut zu machen, können wir über die Atmung bewusst Einfluss nehmen auf unseren Geist und unser seelisches Empfinden. Die Atmung bildet die Schnittstelle zwischen unserem Körper, unserer Seele und unserem Bewusstsein.

Hierin liegt ein enormes Potenzial, unserem Leben in kleinen Alltagssituationen und auch in größeren Entscheidungsprozessen die Richtung zu geben, die wir uns wünschen. Wir müssen uns unseren seelischen Befindlichkeiten nicht mehr ausgeliefert fühlen, sondern wissen, dass wir den Zugang zu einer bewusst gelenkten Reaktionsentscheidung immer in uns tragen.

Fühlen wir uns sehr aufgeregt, ängstlich oder unsicher, äußert sich dieses Gefühl durch einen kurzen flachen Atem, der wiederum dazu führt, dass wir noch aufgeregter und ängstlicher werden. Unser Körper wird in Alarmbereitschaft versetzt und bereitet sich darauf vor, zu kämpfen oder zu fliehen. In den meisten Fällen ist das nicht nötig, denn es sind unsere Gedanken, die uns ängstigen.

Wenn wir uns dessen bewusst sind, können wir unsere Ausatmung gezielt verlängern, den Bauch entspannen und uns die Zeit nehmen, wirklich vollständig auszuatmen. Das aktiviert den Parasympathikus, auch Entspannungs- oder Ruhenerv genannt und führt uns augenblicklich in eine wohltuende Entspannung.

Gleichzeitig bewirkt das Spüren der Atmung, dass sich unser Geist beruhigt. Die Neurowissenschaft hat festgestellt, dass unser Gehirn nicht gleichzeitig fähig ist zu spüren und zu denken. Das bewusste Spüren und Verlängern der Atmung, beruhigt unseren Geist und bringt uns schon nach wenigen Atemzügen zurück in unsere Mitte. Hier können wir die Dinge wieder klarsehen und bewusst unsere Reaktion wählen.

Der Pause nach der Ausatmung kommt dabei eine sehr bedeutende Rolle zu. In dem Moment, wo wir ganz lehr sind, können wir loslassen und eintauchen in die Stille in uns. Es tut gut, diese Pause sanft zu verlängern und an unserem inneren Ort der Ruhe und Kraft zu verweilen.

image
In Balance: Die Atmung beruhigt unseren Geist und kann uns wieder ins Gleichgewicht bringen. Bildnachweis: iStock/MicroStockHub

Übung: Atem spüren – Nasenflügel

Richten Sie Ihre Wirbelsäule auf, der Brustkorb ist geöffnet, die Schultern entspannt, die Augen sind sanft geschlossen. Lassen Sie Ihre Atmung lang und fein ein- und ausströmen. Spüren Sie, wie sich die Atemräume vollständig füllen und mit der langen Ausatmung wieder ganz leeren.

Nach ein paar ruhigen Atemzügen lenken Sie Ihre Wahrnehmung auf Ihre Nasenflügel und nehmen Sie wahr, wie die Atemluft hier kühl in den Körper einströmt und ihn mit der langen Ausatmung warm wieder verlässt. Halten Sie den Geist fokussiert und spüren Sie den Atemstrom an Ihren Nasenflügeln immer länger und feiner.

Lassen Sie sich Zeit für jeden Atemzug. Verweilen Sie nach der Ausatmung einen Moment in der Leere, genießen Sie die Entspannung und die innere Stille, bevor Sie die Atemluft wieder einströmen lassen.

Rückkehr zur vollständigen Atmung

Die Rückkehr zu einer vollständigen und tiefen Atmung, bei der alle Atemräume beteiligt sind, kann unser Alltagsempfinden grundlegend verändern und schenkt uns mehr Gesundheit und Achtsamkeit. Wir kommen auf eine natürliche Weise in Kontakt und in Einklang mit uns selbst.

Die meiste Zeit des Tages atmen wir völlig unbewusst, in der Regel viel zu flach und zu kurz. Das führt dazu, dass wir nur einen Bruchteil der Energie zur Verfügung haben, die wir eigentlich mit jeder tiefen Einatmung aufnehmen könnten. Wenn wir wieder lernen, lang und vollständig auszuatmen, sind wir entspannter, und gleichzeitig kommen wir durch die tiefe Einatmung in unsere Kraft und Lebendigkeit, denn mit jedem Atemzug nehmen wir Prana – Lebensenergie – in uns auf.

Wir können uns jederzeit und überall mit unserer Atmung verbinden und ihren Weg durch den Körper und die einzelnen Atemräume ganz bewusst wahrzunehmen.

Der Kompass in uns

Machen Sie sich bewusst, dass die Atmung immer da ist, vom ersten Moment des Lebens bis zum letzten. Sie ist unser Kompass im Leben, und führt uns auf direktem Weg nach innen. Wann immer wir merken, dass wir uns in Gedanken, Sorgen, Ängsten oder Wünschen verlieren, können wir uns auf unsere Atmung besinnen und uns ihrer Führung anvertrauen.

Auch und gerade dann, wenn wir uns in einer besonders schwierigen Situation befinden, vielleicht verzweifelt sind und keinen Ausweg sehen: Schließen Sie Ihre Augen, lassen Sie sich von Ihrem Lebensfreund an die Hand nehmen und führen. Am Ende der Ausatmung liegt das Tor zu unserem inneren Tempel. Es ist immer da. Lassen Sie sich in die Pause nach der Ausatmung sinken, lassen Sie sich fallen und Sie finden sich auf der anderen Seite wieder, in Ihrem inneren Tempel.

image
Schließen Sie Ihre Augen und lassen Sie sich von der Atmung leiten. Bildnachweis: Stocksy/Jovo Jovanovic

Übung: Das Tor zur Seele

Wenn wir Sorgen haben, viel nachdenken und grübeln, sind Augen und Stirn verspannt. Schließen Sie Ihre Augen und lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf den Raum zwischen den Augenbrauen. Hier befindet sich das Ajna-Chakra, es wird auch als drittes Auge oder als Auge der Intuition bezeichnet.

Verlängern Sie jetzt Ihre Ausatmung und lassen Sie Augen und Stirn ganz bewusst los. Lassen Sie die Atmung entspannt ein- und ausströmen und halten Sie Ihren Geist fokussiert. Der Fokus auf das Ajna-Chakra entspannt die Muskulatur von Stirn und Augen und glättet die Denkerfalte.

Lassen Sie sich mit jeder langen Ausatmung tiefer in Ihren inneren Ort der Stille und Kraft sinken. Verweilen Sie in der Pause nach der Ausatmung. Lassen Sie das krampfhafte Suchen nach Lösungen los und vertrauen Sie sich Ihrem inneren Wissen an.

Titelbild von "Finde den Tempel in dir"
Titel Achtsamkeit
Titel "10 Atemzüge und nie wieder müde"
Frau blickt über das Meer
Gesundheit
artikel
Bodyscan: Auf Achtsamkeitsreise durch den Körper

Schon mal was von Bodyscan gehört? Unsere Expertin Antonia Kemkes erklärt, was es damit auf...

Close-up von Buddha-Statue
Gesundheit
artikel
So finden Sie Ihren inneren Ort der Stille

Jederzeit innere Ruhe und Kraft finden, egal was um uns herum passiert – ist das...

Frau im Schneidersitz sitzend auf Steg im Sonnenuntergang
Gesundheit
artikel
5 Tipps für mehr Gelassenheit

Immer mit der Ruhe! Wenn Sie mal wieder das Gefühl haben, unter Dauerstrom zu stehen,...

Meditierende Frau von Licht überblendet
Gesundheit
artikel
Da geht noch was: Macht Stress alt?

Autorin Mechthild Rex-Najuch widmet sich in unserer Kolumne “Da geht noch was” der Frage, wie...

Dr. med. Constanze Lohse mit Hantel
Bewegung
artikel
10 Minuten Zeit? Tabata!

Maximal schwitzen, minimal Zeit? Dann haben wir was für Sie: das 10-Minuten-Tabata. Ist intensiv und...

Ältere Frau wacht am Morgen erholt auf
Gesundheit
artikel
Die ultimative Schlafformel

Schlecht geschlafen? Damit sind Sie nicht allein. Aber: Erholsamer Schlaf ist bestes Better Aging! Wie...