Gesundheit

Die Gesundheitsgeheimnisse von der Insel der Hundertjährigen

Happy Hundred: Warum die Menschen in den sogenannten Blue Zones so alt werden

Mal Hand aufs Herz: Wer von uns wünscht sich nicht ein langes, gesundes Leben? Und die Vorzeichen stehen gut: Seit Beginn der Aufzeichnung im Jahr 1840 erhöht sich die Lebenserwartung in Europa jährlich um drei Monate. Steigt sie weiter wie bisher, wird im Jahr 2090 die durchschnittliche Lebenserwartung 100 Jahre betragen.

Das versteht man unter Blue Zones

In Deutschland werden Frauen aktuell im Durchschnitt 83 Jahre und Männer 78 Jahre alt. Spitzenreiter in Sachen Lebenserwartung sind allerdings Japanerinnen. Sie erreichen heute bereits im Mittel ein Alter von 87 Jahren. Dem nicht genug: Menschen, die auf der japanischen Inselgruppe Okinawa leben, setzen noch eins drauf in Sachen Lebenserwartung: Mehr als 123 Überneunzigjährige und 15 Hundertjährige leben in der 3.400 Einwohner zählenden Inselkette im Pazifik.

Okinawa – die Insel der Hundertjährigen genannt – zählt zu den sogenannten Blue Zones, wie auch Sardinien, Ikaria in Griechenland, Nicoya in Costa Rica und Loma Linda in Kalifornien. Dies sind Orte auf der Welt, in denen Menschen besonders alt werden, viele eben über 100 Jahre – und das oft bei guter Gesundheit.

Gesund altern: In den Blue Zones gelingt das den Menschen besonders gut. Bildnachweis: AdobeStock/imtmphoto

Das Geheimnis der fitten Hundertjährigen

Was macht die Bevölkerung auf Okinawa anders? Woran liegt es, dass die Menschen dort so alt werden? Forscher sind sich einig: Ein wichtiger Punkt ist die Ernährung. Eine okinawanische Redewendung besagt: „Lass Essen deine Medizin sein.“

So ernähren sich die Inselbewohner nährstoff- und ballaststoffreich, aber kalorienarm. Denn hier halten es die Okinawaer mit einer weiteren Weisheit: „Hör auf zu essen, wenn du zu 80 Prozent gefüllt bist.“ Laborstudien bestätigen, dass eine Kalorienrestriktion die Langlebigkeit fördert.

Die vielen Ballaststoffe sorgen außerdem für ein Mikrobiom in Topform, was der Gesundheit zuträglich ist. Auf Okinawa wird zudem kaum Fleisch gegessen. Die wichtigsten Eiweißquellen sind Tofu und Fisch – vor allem Seefisch, der reich an wertvollen Omega-3-Fettsäuren ist.

Powerknolle Süßkartoffel: Sie spielt bei den Okinawaern häufig auf dem Speiseplan. Bildnachweis: AdobeStock/chihana

Mehr als 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag

Die typische Ernährung der Okinawaer enthält auch mehr als fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag. Neben viel Gemüse, Shitake-Pilzen, Miso, Bittergurke, Tofu und Algen steht insbesondere die Süßkartoffel häufig auf dem Speiseplan. Sie liefert reichlich Nährstoffe in Form von B-Vitaminen, Vitamin C, Betacarotin, Folsäure, Kalium, essenziellen Aminosäuren – um nur die wichtigsten zu nennen. Und: Trotz höherem Zuckergehalt gegenüber einer normalen Kartoffel lässt sie den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen. Glücklicherweise zählt die Süßkartoffel auch bei uns zu den Trendgemüsen und ist fast überall zu bekommen.

Noch ein Geheimnis, das zum Nachmachen einlädt: Anstatt zu Salz zu greifen, würzen die Einwohner blutdruckfreundlicher, nämlich mit Kräutern wie beispielsweise Ingwer und Beifuß. Kräuter enthalten viele gesunde Flavonoide, die als Freie-Radikale-Fänger dienen.

Die Ernährung der Okinawaer strotzt demnach vor Antioxidantien, die (innere) Entzündungen und oxidativen Stress reduzieren. Also perfektes Anti-Aging-Food!

Lebensstil zum Nachahmen

Neben der gesunden Ernährung fällt auf, dass die Menschen sich bis ins hohe Alter regelmäßig bewegen. Sie bestellen alle ihren eigenen Garten und bauen Gemüse und Früchte an. Und Geselligkeit spielt eine große Rolle: Auf Okinawa ist der soziale Zusammenhalt sehr groß. Die Menschen nehmen Anteil am Dasein und den Problemen des anderen und kümmern sich umeinander. Alterseinsamkeit ist für die Inselbewohner ein Fremdwort. Hört sich das nicht gut an?

Antioxidativ: „Sanpion Cha“-Tee ist ein Mix aus Jasmintee und grünem Tee und wird auf Okinawa vorzugsweise getrunken. Bildnachweis: AdobeStock/petrrgoskov

Und was trinken die Hundertjährigen?

Bei den Getränken setzen die Japaner auf Tee. Auf Okinawa wird vorzugsweise der „Sanpion Cha“-Tee getrunken. Er ist ein Mix aus Jasmintee und grünem Tee, die beide reichlich antioxidativ wirkende Flavonoide enthalten. Jasmintee liefert zudem viele Vitamine (A, C, B12), Mineralstoffe und Tannin (auch ein Antioxidans). Er soll positiv auf den Fettstoffwechsel wirken, die Entwicklung schädlicher Darmbakterien reduzieren und die Verdauung anregen. Schöner Nebeneffekt: Sein Duft hat eine beruhigende Wirkung.

Genießen auf japanische Art: Rezept für Edamame-Hummus und Lachs

Raffiniert mit japanischer Note: Edamame-Hummus mit Räucherlachs auf Knäckebrot. Bildnachweis: GU Verlag/Coco Lang

Dies ist ein Beitrag aus unserer exklusiven Reihe Gesundheitsquickies der GU-Expertinnen Prof. Dr. med. Marion Kiechle und Julie Gorkow.

Die Spiegel-Bestseller-Autorinnen Julie Gorkow (links) und Prof. Dr. Marion Kiechle. Bildnachweis: Kay Blaschke

Veröffentlicht am 25.4.2022

Veröffentlichungsdatum

Prof. Dr. med. Marion Kiechle ist Deutschlands wohl bekannteste Frauenärztin.

Quellenverzeichnis

  1. Gesundheitsquickies
    Prof. Dr. med. Marion Kiechle, Julie Gorkow

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