Gesundheit

Rückenschmerzen: Ursachen und Diagnose verstehen

Zehn Rückenerkrankungen, die am häufigsten Rückenschmerzen verursachen

Unter starken Rückenschmerzen und Rückenerkrankungen leidet etwa die Hälfte aller Bundesbürger. Kreuzschmerzen, wie es salopp oft heißt, insbesondere Beschwerden der Wirbelsäule im unteren Rücken sind die häufigste Ursache für Frühinvalidität. Längst nicht jede Diagnose muss dabei zwangsläufig in einer Operation enden. Wichtig ist für Betroffene zunächst, die Diagnose und dahinter steckende Ursachen für ihre anhaltenden Rückenschmerzen zu verstehen. Im nächsten Schritt geht es dann darum, sich mit den behandelnden Spezialisten gezielt für eine sinnvolle Therapie zu entscheiden. 

Zehn häufige Rückenerkrankungen und damit verbundene Schmerzzonen

Rückenschmerzen sind oft unspezifisch, beziehungsweise nicht sofort eindeutig einem bestimmten Krankheitsbild zuzuordnen. Die folgende Liste mit den zehn häufigsten Rückenerkrankungen kann daher nur erste Anhaltspunkte liefern.

  • Bandscheibenvorfall: Wirbelsäule
  • Blockierung: Muskeln, Wirbelsäule
  • Facettengelenksarthrose: Hals- und Lendenwirbelsäule
  • Foramenstenose: Hals- und Lendenwirbelsäule
  • ISG-Syndrom: untere Wirbelsäule, Becken
  • Spinalkanalstenose: Lendenwirbelsäule
  • Wirbelgleiten: unterer Rücken
  • Osteochondrose: Bandscheiben
  • Osteoporose: nicht nur im Rücken, alle Knochen können betroffen sein
  • Narbenverwachsungen: nach Bandscheiben-Operation

Mit der folgenden Checkliste zu Symptomen im Bereich der Hals- und Lendenwirbelsäule können Sie Ihre Rückenschmerzen in Vorbereitung auf einen Arzttermin vorläufig einordnen.

Symptome für Rückenschmerzen können auf verschiedene Rückenerkrankungen hinweisen. Die Checkliste gibt erste Anhaltspunkte für einen Termin beim Spezialisten.
Bildnachweis: GU

Diagnose für Rückenschmerzen verstehen

Wenn Sie vom Arzt eine Diagnose für Ihre Rückenprobleme erhalten haben, sollten Sie zunächst verstehen, was diese genau bedeutet. "Medizinerlatein" ist für Laien nicht immer ganz einfach. Unser Überblick gibt daher eine Hilfestellung zum besseren Verständnis der zehn häufigsten Diagnosen und zu möglichen Ursachen für Rückenschmerzen.

Die Tatsache, dass Sie eine der nachfolgend aufgeführten Rückenerkrankungen mit organischer Ursache haben, bedeutet nicht zwangsläufig, dass Sie operiert werden müssen. Nicht alle Rückenschmerzen können durch eine Operation gelindert werden. Vielfach lassen sich auch mit der Veränderung des Lebensstils, mehr moderater Bewegung oder Gewichtsabnahme zufriedenstellende Resultate erzielen.

Häufige Ursache für Rückenschmerzen: Die Illustration zeigt einen Bandscheibenvorfall.
Bildnachweis: AdobeStock/Judith

Bandscheibenvorfall oder Bandscheibenvorwölbung

Unsere Wirbelsäule hat 23 Bandscheiben, deren Inneres ein Gallertkern bildet. Dieser ist von einem harten Faserring umgeben, der die Bandscheibe an Ort und Stelle hält. Bei einem Bandscheibenvorfall verschiebt sich der Gallertkern, anders gesagt, die weiche Masse im Inneren der Bandscheibe. Diese wird dabei in Richtung Fasergewebe gedrückt (siehe Illustration oben). Ein elastischer Faserring hält den Kern in der Mitte, ein brüchiger bewältigt diese Arbeit nicht mehr. Infolgedessen kann der Gallertkern immer weiter in den Faserring dringen und ihn schließlich nach vorn wölben. Durchbricht er ihn, spricht man von einem gedeckten Bandscheibenvorfall. Zerreißt das schützende Längsband, kann der Gallertkern sogar in den Wirbelkanal fallen. 

Der klassische Bandscheibenvorfall mit etwa 90 Prozent aller Fälle betrifft die Lendenwirbelsäule, da diese die Hauptlast im Körper trägt.

Was die Lage des Bandscheibenvorfalls betrifft, so unterscheidet man zwischen:

  • mittig (medial)
  • halbmittig (mediolateral)
  • seitlich (lateral)
  • im Nervenaustrittspunkt befindlich (intraforaminal)
  • hinter dem Nervenaustrittspunkt gelegen (extraforaminal)

Je weiter seitlich sich der Bandscheibenvorfall befindet, umso weniger schmerzt der Rücken, doch umso stärker strahlt der Schmerz ins Bein oder in den Arm. Oft spürt der Betroffene dort ein Kribbeln oder eine Muskelschwäche.

Je weiter mittig der Vorfall liegt, desto eher kommt es zu Rückenschmerzen und desto weniger zu einem Ausstrahlen der Schmerzen ins Bein oder in den Arm. Dann drückt der Gallertkern auf den Spinalnerv im Rückenmarkskanal. Der Schmerz entsteht aber nicht allein durch den Druck, sondern durch Botenstoffe, die sich aufgrund der einsetzenden Entzündungsreaktion an den Nerven bilden.

Bandscheibenvorfälle und Vorwölbungen der Bandscheibe können bereits ab dem 20. Lebensjahr vorkommen. Hauptsächlich tritt diese schmerzhafte Rückenerkrankung jedoch zwischen dem 40. und dem 60. Lebensjahr auf.

Blockierung

Ist ein Muskel über einen längeren Zeitraum angespannt, kann das zu einer Blockierung, einer Wirbelfehlstellung führen. Dabei kommen sich die kleinen Gelenkflächen der Wirbelgelenke zu nah. Auslöser für diese Rückenerkrankung kann sowohl die Überlastung einer zu schwachen Muskulatur sein als auch Muskelverspannungen, die chronische Fehlbelastungen entstehen ließen. Wenn Sie eine Blockierung haben, fühlen Sie sich steif. Sie können bestimmte Bewegungen nicht mehr ausführen und haben Muskel- und Nervenschmerzen, die manchmal bis in die Arme und Beine ziehen. Drückt man auf bestimmte Punkte in der Muskulatur, ist dies sehr schmerzhaft.

Nicht immer muss bei einer Rückenerkrankung operiert werden. Je nach Art und Ursache der "Kreuzschmerzen" können Physiotherapie, moderater Sport, Gewichtsabnahme oder eine Ernährungsumstellung hilfreich sein.
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Facettensyndrom/ Spondylarthrose

Diese Rückenerkrankung wird auch Facettengelenksarthrose genannt. Aufgrund von Abnutzung kann es im Bereich der Hals- oder Lendenwirbelsäule dabei zu einer Arthrose in den kleinen Zwischenwirbelgelenken - anders gesagt Facettengelenken - kommen. Die durch Verschleiß verursachte Reibung und Abnutzung führt zu einer Gelenkentzündung, die Bewegungs-, aber auch Ruheschmerzen nach sich zieht.

Der Körper versucht die Abnutzung des Knorpels des Facettengelenks auszugleichen, indem er mehr Knochenmasse bildet. Deshalb verbreitert sich der Knochen, der unter dem Knorpel liegt. Dadurch kann es zu Einengungen des Nervenaustrittspunktes kommen, denn direkt am Wirbelgelenk tritt die Nervenwurzel aus dem Rückenmarkskanal.

Gelegentlich können sich im Bereich der Gelenkkapsel auch Zysten bilden, wenn sich Gelenkschmiere etwa in einer Ausbuchtung der Gelenkkapsel sammelt. Ähnlich wie bei einem Bandscheibenvorfall drückt diese dann auf den Nerv. Ein Facettensyndrom tritt mit steigender Tendenz ab dem 50. Lebensjahr auf.

Foramenstenose

Bei dieser Rückenerkrankung handelt es sich um eine Einengung des Nervenaustrittspunkts. Die Ursache dafür kann eine Facettenarthrose sein, da aufgrund von Verschleißerscheinungen zu viel wilde Knochenmasse im Gelenk gebildet wurde, die den Nervenaustrittspunkt von hinten einengt.

Eine weitere Ursache ist, wenn der Nervenaustrittspunkt von vorn durch Bandscheibengewebe oder knöcherne Abstützreaktionen der Wirbelkörper eingeengt wird. Dazu kommt es zum Beispiel aufgrund von degenerativen Veränderungen der Bandscheiben (Osteochondrose) oder nach alten Bandscheibenvorfällen. Ähnlich wie bei einem Bandscheibenvorfall strahlt die dadurch verursachte Reizung an der betroffenen Nervenwurzel in den Rücken und bis ins Bein aus. Neben Rückenschmerzen kann sie ein Kribbeln, ein pelziges Gefühl oder einen Reflexverlust bewirken.

Wie lassen sich Foramenstenose und Bandscheibenvorfall abgrenzen?
Mit einer Formanestenose können Sie gut anlaufen, spüren aber bald Schmerzen im Bein und müssen stehen bleiben. Sie können aber schlecht ins Hohlkreuz gehen. Haben Sie einen Bandscheibenvorfall, tut Ihnen langsames Laufen gut. Dafür fällt es Ihnen schwer, sich nach vorn zu beugen. Auch Foramenstenosen treten zunehmend ab dem 50. Lebensjahr auf.

Ist das Iliosakralgelenk blockiert oder entzündet, kommt es zu starken Schmerzen im unteren Rücken bis ins Bein.
AdobeStock/SciePro

ISG-Syndrom

Das Iliosakralgelenk (abgekürzt ISG oder auch SIG) gehört zu den Plattengelenken und verbindet das Becken und die Wirbelsäule. Eine falsche Bewegung, beispielsweise beim Stolpern, oder starke statische Belastungen beim Heben, können zu einer Blockierung des ISG führen. Bei dieser Rückenerkrankung machen sich die Schmerzen tief im unteren Rücken bemerkbar, meist nur auf einer Seite. Diese Schmerzen können bis ins Bein ausstrahlen. Bei rheumatischen Erkrankungen kann sich das ISG auch entzünden. Ein ISG-Syndrom tritt ab dem 20. Lebensjahr auf und nimmt im Alter eher wieder ab. 

Die Illustration zeigt eine Spinalkanalstenose., die Ursache für anhaltende Rückenschmerzen sein kann. Bildnachweis: AdobeStock/Judith

Spinalkanalstenose

Bei dieser Rückenerkrankung handelt es sich um eine Verengung des Rückenmarkskanals, sodass er aufs Rückenmark drückt oder die Nervenwurzeln einquetscht. Man unterscheidet zwischen einer sehr seltenen primären, also angeborenen, und einer sekundären Spinalkanalstenose. Zu dieser kommt es durch Abnutzungen.

Die Verengung kann verschiedene Ursachen haben: eine geschädigte Bandscheibe, die sich vorwölbt, oder aber knöcherne Auswüchse der Zwischenwirbelgelenke. Ursache kann auch eine Verdickung des sogenannten Ligamentum flavum sein, des gelben Bandes, das die beiden Wirbelkörper zusammenhält und die Wirbelsäule zusätzlich stabilisiert. Eine Spinalkanalstenose kann infolge einer früheren Bandscheibenoperation auftreten.

Oft kommt es im Bereich der Lendenwirbelsäule zu einer Spinalkanalstenose, weil dort die größte axiale Last einwirkt. Dann spricht man auch von einer lumbalen Spinalkanalstenose. Spinalkanalstenosen betreffen meist Menschen ab dem 60. Lebensjahr und erreichen eine maximale Häufigkeit zwischen 70 und 80 Jahren.

Eine einfache und zugleich hilfreiche Übung zur Linderung der Rückenschmerzen bei lumbaler Spinalkanalstenose wurde von Vera Cordes im Gesundheitsmagazin "Visite" vorgestellt. Seitdem wurde der von ihr so bezeichnete Bauchnabeltrick von vielen Zuschauern ausprobiert und als wirksam beschrieben.

Wirbelgleiten/ Spondylolisthese

Bei einer Spondylolisthese rutscht ein Wirbelkörper langsam und über Jahrzehnte aus seinem Verbund nach vorn ab. Diese Instabilität kann angeboren oder das Resultat einer Verschleißerscheinung sein.

Das Wirbelgleiten wird oft erst durch eine Röntgenaufnahme entdeckt, weil der Vorgang selbst zunächst keine Schmerzen verursacht. Langfristig können bei dieser Rückenerkrankung allerdings Schmerzen, Gefühlsstörungen oder sogar Lähmungen in den Beinen auftreten. Dies geschieht, wenn dadurch das Rückenmark oder die Nervenwurzeln an den Austrittspunkten eingeengt werden. Wirbelgleiten tritt ab einem Alter von 40 Jahren auf.

Osteochondrose

Bei dieser Rückenerkrankung liegt ein Verschleiß der Bandscheibe zwischen zwei Wirbelkörpern vor. Aufgrund andauernder Fehlbelastungen nutzen sich die Bandscheiben ab, sodass sie ihre Pufferfunktion zwischen den Wirbeln nicht mehr ausreichend erfüllen können. Die Knochen der Wirbelkörper verdicken daraufhin, die Stoffwechselaktivität erhöht sich und der Wassergehalt des angrenzenden Gewebes nimmt zu. Im Kernspin lässt sich das als Ödem erkennen.

Um mithilfe einer größeren Fläche den Druck auszugleichen, bildet sich seitlich am Wirbelkörper Knochensubstanz, die sogenannten Spondylophyten. Anders formuliert, sind dies zackenartige Wülste, die den Wirbelkörper deformiert aussehen lassen. In der Folge verändert sich die gesamte Statik der Wirbelsäule, sie wird steifer und kann sich nach vorn (Kyphose) oder hinten (Lordose) biegen.

Oft sind Skoliose-Patienten von einer Osteochondrose betroffen, weil die Bandscheiben durch die seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule einer zu starken Belastung ausgesetzt sind. Zu einer Osteochondrose kann es aber auch nach einem Vorfall oder einer Operation an den Bandscheiben kommen. Osteochondrosen treten ab dem 30. Lebensjahr auf und häufen sich dann zwischen 40 und 50 Jahren.

Gesund (grün) versus krank (rot): Die Illustration verdeutlicht die Ursache für Rückenschmerzen durch Osteoporose.
Bildnachweis: AdobeStock/Axel Kock

Osteoporose

Der Begriff bedeutet so viel wie "poröser Knochen". Starker Kalziummangel führt zu einem vermehrten Verlust von Knochenmasse, so dass es schon bei geringen Belastungen zu Knochenbrüchen kommen kann. Alle sieben Minuten bricht sich in Deutschland eine Frau einen Wirbelknochen, etwa 60 Prozent davon nach der Menopause, da die Sexualhormone am Erhalt der Knochenmasse beteiligt sind. Häufig bricht auch der Oberschenkelknochen oder die Speiche im Unterarm. Entscheidend bei Osteoporose ist Früherkennung – lassen Sie im ersten Schritt Ihren Kalziumspiegel bestimmen.

Narbenverwachsungen

Vom "Failed-Back-Surgery-Syndrom" spricht man,  wenn sich nach einer Rückenoperation Narbenverwachsungen gebildet haben. Dabei handelt es sich um Verhärtungen des Gewebes, die nach dem Eingriff am offenen Wirbelkanal entstehen. Trotz akribischer Arbeitsweise, modernster Technik und sorgfältiger Blutstillung ist es bisher nicht gelungen, die Zahl der Betroffenen komplett zu reduzieren.

Schon allein wegen dieses Risikos ist eine Operation erst als letzte medizinische Maßnahme zu empfehlen. Viele Operierte sind zunächst etwa zwei bis drei Wochen nach der Operation schmerzfrei, doch dann treten erneut sehr hartnäckige Beschwerden auf. Über ein Kontrastmittel lässt sich auf dem Kernspinbild erkennen, wo die Narbe und wo das nachgerutschte Bandscheibengewebe ist.

Rückenschmerzen - was dann?

Dieser Überblick über die zehn am häufigsten vorkommenden Rückenerkrankungen und die Ursachen für Rückenschmerzen kann Ihnen als Grundlage für ein Arztgespräch dienen.
Auch gängige Rückenerkrankungen und damit zusammenhängende Formulierungen werden damit einfacher verständlich erklärt. Sobald durch Untersuchungen und bildgebende Verfahren eine genaue Diagnose erstellt ist, sollten Sie sich in einem weiterführenden Gespräch über mögliche Therapien informieren.
Wenn Ihren Rückenschmerzen entzündungsbedingte Prozesse durch Arthrose oder Rheuma zugrundeliegen, sollten Sie sich über einen Umstieg auf entzündungshemmende Ernährung Gedanken machen.

Veröffentlicht am 12.8.2021

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