Gesundheit

Gelenkschmerzen bei Rheuma, Arthrose und Arthritis unterscheiden

Wenn die Gelenke schmerzen - Krankheitsbilder erkennen, verstehen und behandeln

Schmerzende, geschwollene Gelenke und eingeschränkte Beweglichkeit: etwa 20 Millionen Bundesbürger leiden unter „Rheuma“. Unter diesen Oberbegriff fallen mehr als 200 verschiedene Krankheiten – darunter Arthrose (Gelenkverschleiß), Rheumatoide Arthritis (Entzündung der Gelenke) oder Gicht. Wie Sie Symptome und Ursachen erkennen, Schmerzen lindern und was Sie selbst dagegen tun können lesen Sie hier. Eine Gelenkschmerz-Checkliste hilft bei einer ersten Einordnung.

Wie äußern sich Gelenkschmerzen?

Schmerzen in den Gelenken äußern sich auf ganz unterschiedliche Weise: Während sie bei manchen Betroffenen nur als Anlaufschmerzen auftreten, klagen andere über konstante Belastungsschmerzen während der Bewegung. Häufig fühlen Betroffene Schmerzen selbst bei Ruhestellung des Gelenks oder in der Nachtruhe. Welche Symptome die jeweiligen Beschwerden begleiten, hängt ganz von der Ursache ab. Entzündliche Prozesse zeigen sich beispielsweise an Schwellungen, einer Rötung oder Wärme des Gelenks.

Checkliste Gelenkschmerz

Folgende Checkliste gibt eine Übersicht über gängige Symptome und zeigt, auf welche Krankheitsbilder diese gegebenenfalls schließen lassen. Da die Übergänge fließend sind, sollten Sie bei mehreren Indikatoren und vor allem bei anhaltenden Schmerzen einen Arzt zur genauen Klärung der Ursachen aufsuchen.

Unsere Checkliste Gelenkschmerzen ist hilfreich zur Vorbereitung auf Ihr Arztgespräch
Bildnachweis: GU

Wichtig für eine Diagnose ist auch, ob Schmerzen in den Gelenken akut oder chronisch auftreten. Ferner, ob es sich um nur ein betroffenes Gelenk oder um mehrere Gelenke handelt.

Welche Ursachen können Gelenkschmerzen haben?

Bei Gelenkschmerzen durch rheumatische Erkrankungen unterscheiden Experten vier Hauptgruppen:

  • Abnutzung oder Verschleiß der Gelenke: Arthrose
  • Entzündliche Prozesse: Rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, Schleimbeutelentzündung (Bursitis)
  • Stoffwechselrheuma wie Gicht
  • Weichteilrheuma wie Fibromyalgie

Dazu kommen unterschiedliche Faktoren, die Gelenkbeschwerden mit auslösen oder verstärken können:

  • Über- und Fehlbelastungen
  • ein höheres Alter
  • Bewegungsmangel
  • einseitige, nährstoffarme Ernährung
  • Übergewicht
  • Sportverletzungen
  • schwaches Immunsystem
  • Wechseljahre
  • Krankheiten in deren Folge Gelenkentzündungen entstehen wie: Borreliose, Schuppenflechte

Arthrose oder Arthritis?

Arthrose gilt als die häufigste aller Gelenkerkrankungen. Sie kann theoretisch jedes Gelenk betreffen. Wenn es sich um Verschleiß oder Abbau des Knorpels handelt, so sind besonders häufig Knie-, Hüft- und Schultergelenk betroffen.
Eine Kombination verschiedener Auslöser führt nach einem zunächst eher unauffälligen Prozess schließlich zu Schmerzen bei jeder Bewegung und im Ruhezustand. Ursachen für Gelenkverschleiß können in niederschwelligen Entzündungen, Übergewicht, falscher Ernährung, Bewegungsmangel, alten Verletzungen oder Fehlstellungen liegen.

Arthrose und Arthritis im Kniegelenk - so lassen sie sich unterscheiden.
Bildnachweis: GU/Joseph&Sebastian

Rheumatoide Arthritis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Abwehrzellen die Gelenkschleimhaut angreifen und so eine entzündliche Erkrankung hervorrufen. Die Beschwerden treten dabei vor allem in Finger-, Zehen- und Handgelenken auf. Dort machen sie sich mit Schwellungen, Schmerzen und Steifigkeit der betroffenen Gelenke bemerkbar. Häufig tritt Arthritis in mehreren Gelenken gleichzeitig auf. Man spricht dann von Polyarthritis.

Therapiemöglichkeiten bei Gelenkerkrankungen

Die moderne Medizin hat verschiedene Ansätze, um Schmerzen und Gelenkschädigungen bei Arthritis zu bekämpfen. Eine möglichst rasche Diagnose und ein frühzeitiger Therapiebeginn sind nötig, um mit Rheuma-Medikamenten, Biologika, JAK-Hemmern oder Kortison die Überreaktion des Immunsystems rasch in Griff zu bekommen.

Grundsätzlich lassen sich Schäden durch Gelenkverschleiß nicht rückgängig machen – auch nicht durch eine medikamentöse Therapie. Ziel der Symptombehandlung bei Arthrose ist zunächst Schmerzen zu verringern und die weitere Abnutzung des Knorpels zu verhindern. Mit gezieltem Muskelaufbau und unterstützender Therapie soll eine gute Beweglichkeit wiederhergestellt werden, die für die Gelenkversorgung essentiell ist.

Bei beiden Krankheitsbildern wird physikalische Therapie dazu eingesetzt Beweglichkeit zu erhalten bzw. wiederzuerlangen, Schmerzen zu lindern und Gelenke und Muskeln zu lockern.

Akute Schmerzen im Fuß- oder Handgelenk z.B. durch Überbelastung oder einen Unfall, können Sie zunächst nach der PECH-Regel selbst behandeln.

Behandeln Sie akute Gelenkschmerzen durch Unfall nach der "PECH-Regel": Pause, Eis, Compression, Hochlegen.
Bildnachweis: shutterstock/S. Mahanantakul

Sollten die Schmerzen im Gelenk am nächsten Tag unvermindert sein, bitte auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.

So gehen Sie aktiv gegen Gelenkschmerz vor

Neben der Behandlung Ihrer Beschwerden durch Ärzte und Therapeuten haben Sie wirkungsvolle Möglichkeiten Ihre Probleme bei Arthrose, Gicht oder Arthritis selbst in die Hand zu nehmen.

Gewichtsreduktion – jedes Kilo weniger zählt

Überschüssige Kilos belasten vor allem Hüften, Knie und Sprunggelenke und führen dort zu einer Abnutzung des Knorpels.

Gewichtsreduktion ist ein erster Schritt um Gelenkschmerzen zu reduzieren
Bildnachweis: shutterstock_Shutterwolf

Ernährungsumstellung

Antientzündliche Ernährung lindert nicht nur Gelenkschmerzen. Mit der richtigen Diät versorgen Sie Ihre Gelenke mit den optimalen Nährstoffen und können so Beschwerden durch Arthrose oder Arthritis gut in den Griff bekommen.
Bei Gicht unverzichtbar sind Purintabellen, um möglichst viel purinfreie Kost in Ihren Ernährungsplan aufnehmen. Damit kann der Harnsäurewert selbst gut eingestellt werden und die gefürchteten Gichtanfälle lassen sich vermeiden.

Nordic Walking hält die Gelenke mit wenig Belastung fit Bildnachweis: shutterstock/Matej Kastelic

Gelenkschonende Bewegung

Regelmäßige Bewegung hilft zum einen dabei, die Gelenke über die Gelenkschmiere gut mit Nährstoffen zu versorgen, zum anderen erhält sie die Beweglichkeit.

Wichtig ist eine auf das jeweilige Krankheitsbild abgestimmte Sportart, bei Arthrose geht es beispielsweise um gezielten Muskelaufbau, um das betroffene Gelenk bestens zu stützen. Radfahren, Nordic Walking, Schwimmen, Aquafitness oder Tai Chi und Pilates sind bei allen hier besprochenen Gelenkerkrankungen grundsätzlich zu empfehlen.

Veröffentlicht am 04.07.2021

Publication date

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