Gesundheit

Hallux Valgus (Ballenzeh): Ursachen und Behandlung

Ein Hallux valgus - die häufigste Fehlstellung des Vorfußes muss nicht zwangsläufig zu einer Operation führen

Ein Hallux valgus ist eine auch von Laien zu erkennende Schiefstellung der großen Zehe. Bei dieser auch "Ballenzeh" genannten Fußfehlstellung verschiebt sich die Großzehe im Lauf der Zeit immer stärker in Richtung der benachbarten Zehen. Der Großzehenballen tritt immer deutlicher hervor, ist häufig auch gerötet und zudem druckempfindlich. Ob man einen Ballenzeh in jedem Fall operieren muss, darüber sind Experten geteilter Meinung. Im frühen Stadium scheint ein Hallux valgus gut therapierbar zu sein.

Definition des Hallux valgus

"Hallux" bedeutet im Lateinischen "Großzehe" und "valgus" so viel wie "x-förmig". Der Hallux valgus ist also eine Großzehe, die nicht mehr gerade steht, sondern zum Fußaußenrand Richtung Kleinzehe gezogen wird. Anders gesagt, ein X-Schiefstand der großen Zehe mit Ballenbildung.

Von einem Hallux valgus spricht man ab einem Winkel von 20 Grad zwischen Großzehe und dem ersten Mittelfußknochen. Mehr als 40 Grad Abweichung gelten als schwerer Hallux valgus. Beim Hallux rigidus liegt außerdem eine eingeschränkte Streckbeweglichkeit im Großzehengrundgelenk vor.

Die Großzehe kann sich in schweren Fällen mit der Zeit sogar unter oder über die benachbarten Zehen schieben. Dadurch verändert sich die gesamte Gewichtsverteilung des Körpers auf der Fußsohle, und häufig verlieren dann auch die anderen Zehen ihre gerade Stellung.

Bei einem gesunden Fuß liegt die Belastung durch das Gewicht auf diesen Zonen.
Illustration: GU/Nina Tiefenbach

Ursachen für eine Ballenzehe

Die Ballenzehe scheint wie so vieles andere auch eine unserer Zivilisationskrankheiten zu sein. Bei Naturvölkern, die barfuß auf ständig abwechselndem Untergrund gehen, kommt sie so gut wie gar nicht vor. Dagegen scheinen unser Lebensstil mit flachen, harten Böden, engen Schuhen, zudem Übergewicht, Bewegungsmangel und chronische Fehlbelastungen die Entstehung eines Hallux valgus zu begünstigen. Die Ursache dafür muss nicht unbedingt im Fuß selbst liegen. Auch Probleme im Knie- oder Hüftgelenk, in Becken oder Rücken können letztlich zu einer Fehlstellung der Füße führen.

Risikofaktoren für diese Fußfehlstellung

Statistisch gesehen betrifft ein Hallux valgus wesentlich häufiger Frauen als Männer, oft auch schon junge Mädchen. Folgende Faktoren begünstigen dessen Auftreten:

  • Genetische Veranlagung
  • Schwaches Bindegewebe
  • Schwache Muskeln und Bänder
  • Knick-, Senk-, Plattfuß, Spreizfuß sowie X-Beine
  • Zu enge Schuhe, aber auch zu hohe Schuhe

Diagnose der Ballenzehe

Beim Hallux valgus genügt in der Regel eine klassische Blickdiagnose, da der Schiefstand mit dem bloßen Auge zu erkennen ist. Ein Röntgenbild ist nur nötig, um den Winkel der Abweichung genau zu messen und um eine mögliche begleitende Arthrose im Großzehengrundgelenk zu erkennen. 

Ein Hallux kommt selten allein

Tatsache ist, dass diese Fehlstellung der Großzehe in der Regel von einem Spreizfuß, manchmal auch von einem Knickfuß, begleitet wird.

Ursache Spreizfuß

Bei einem Spreizfuß sind die kurzen Fußmuskeln im Vorfuß nicht mehr in der Lage, das Quergewölbe korrekt aufzubauen. Dies führt letztlich zu einer Spreizung der Mittelfußknochen und damit zu einer Verbreiterung des Vorfußes. Daher der Name! Je nach Schweregrad des Spreizfußes kann es zu Schwielenbildung an druckungewohnten Stellen kommen, beispielsweise unter und zwischen den Zehengrundgelenken. In Folge dieser chronischen Feststellung gerät die Großzehe unter Druck und kann folglich einen Hallux valgus ausbilden.

Wenn das Quergewölbe im Vorfuß nicht mehr korrekt aufgebaut ist, kommt es zu Fehlstellungen wie Spreizfuß und Hallux valgus. Illustration: GU/Nina Tiefenbach

Diese Veränderungen verursachen Schmerzen im Mittelfußbereich, die besonders beim Abrollen auftreten. Man spricht in solchen Fällen von einer Metatarsalgie oder einem "durchgetretenen Fuß". Durch das abgeflachte Quergewölbe kommt mehr Spannung auf den Bandapparat, der die einzelnen Mittelfußstrahlen untereinander verbindet. Dieser drückt dann auf die Nerven in dem Bereich.

Hammer- oder Krallenzehen als Begleiter des Hallux valgus

Eine weitere Folge eines Spreizfußes - und damit ebenso häufig beim Hallux valgus mit im Gepäck - sind die sogenannten Hammerzehen sowie die Krallenzehen. Meistens ist dabei die zweite bis vierte Zehe betroffen. Ist eine Zehe im Grundgelenk überstreckt, aber im Mittel- und Endgelenk gebeugt, spricht man von einer Krallenzehe. Bei einer Hammerzehe ist dagegen nur das Endgelenk maximal gebeugt. Hammer- und Krallenzehen sind häufig schmerzlos, allerdings können sich durch die Fehlstellungen Hühneraugen und Druckstellen bilden, die dann starke Beschwerden hervorrufen.

Welche Therapie hilft bei Hallux valgus?

Unbehandelt nimmt ein Hallux valgus im Lauf der Zeit langsam aber sicher zu. Das Ausmaß der Fehlstellung muss jedoch nicht dem Ausmaß der Beschwerden entsprechen. Es gibt sowohl geringe Deformitäten mit massiven Beschwerden, als auch umgekehrt. Selbst im Alter muss es nicht automatisch zu einer Verschlimmerung der Beschwerden kommen. Ein während vieler Jahre schmerzloser Hallux valgus bleibt dies oft bis ans Lebensende.

Bei ständigen Fußschmerzen durch die Ballenzehe sollten Sie jedoch dringend die Initiative ergreifen. Sprechen Sie mit einem Facharzt oder einer Fachärztin, oder suchen Sie Rat bei einer Fußschule, um eine für Sie passende Therapiemöglichkeit zu finden.

Erste Hilfe durch Schmerzlinderung

Die Schmerzen, die eine Ballenzehe hervorruft, treten zumeist an drei verschiedenen Punkten im Vorfuß auf. Dementsprechend sind auch die Maßnahmen zur Soforthilfe unterschiedlich.

Schmerzen im Ballen entstehen vor allem beim Tragen von Schuhen durch direkten mechanischen Druck auf Knochen und Schleimbeutel. Die Schmerzempfindlichkeit kann hier so hoch sein, dass man in liegender Position (z.B. bei Bauchlage im Schlaf, aber auch bei Gymnastik) den Fuß nicht einmal mehr auf dem Ballen ablegen kann. Hier geht es zuerst um Druckentlastung: Gehen Sie viel barfuß, steigen Sie auf breitere Schuhe um, auch ein schützendes Gel-Pflaster kann Linderung bringen. Ein richtig gewickeltes Kinesio-Tape verschmälert den Vorfuß vorübergehend und ermöglicht so eine Druck- und Schmerzentlastung.

Im Großzehengrundgelenk entstehen Schmerzen zumeist durch Überlastung, Verschleiß oder Arthrose. Im Gegensatz zu Ballenschmerz ist Barfußgehen hier allerdings keine Option. Spezielle Schuhe mit steifen Sohlen verschaffen dem schmerzenden Großzehengelenk die nötige Entlastung. Entzündungshemmende Wickel, Schmerzpflaster oder sanfte selbstgemachte Hausmittel bringen auch Erleichterung.

Schmerzen mittig im Vorfuß entstehen beim den Spreizfuß, der den Hallux valgus häufig begleitet. Durch das fehlende Quergewölbe liegt der Vorfuß auf dem Boden auf und diese Drucküberlastung führt zu Schmerzen. Hier helfen weiche Schuheinlagen mit einer kleinen Pelotte knapp hinter dem Schmerzpunkt. Mit aktiver Fußgymnastik und etwas Geduld können Sie hier selbst viel zur Stabilisierung des Gewölbes beitragen.

Orthopädische Hilfsmittel

Wer sich im Internet oder in Fachgeschäften umsieht, findet eine Fülle von Hilfsmitteln zur Korrketur des Ballenzehs. Von der steifen Hallux-valgus-Schiene über spezielle Schuhe, Socken undEinlagen bis hin zu Bandagen oder Zehenspreizern - die Auswahl ist groß. Nach offizieller Lesart können all diese Hilfsmittel eine bestehende Fehlstellung der Großzehe nicht rückgängig machen oder verbessern. Ein Fortschreiten könne dadurch möglicherweise verlangsamt werden.

Fußgymnastik nach der Spiraldynamik®.
Bildnachweis: GU/Manuel Ringlstetter

Funktionstherapie und Fußgymnastik

Zunächst geht es darum mit fachkundiger Hilfe ursächliche Fehlbelastungen zu erkennen, um sie anschließend aktiv anzugehen. Anders als bei einer Operation gibt es bei dieser Therapie kein Risiko und auch keine Nebenwirkungen. Von einer gezielten Fußgymnastik, beispielsweise mit Übungen der Spiraldynamik®, profitiert auch die gesamte Körperstatik. Möglicherweise treten langfristig sogar andere Gelenkbeschwerden zurück. Ein langer Atem ist allerdings Voraussetzung für eine solche Therapie.

Je nach Dauer der Beschwerden und Schweregrad der Deformität kann in 60-80 Prozent der Fälle eine deutliche Schmerzreduktion erreicht werden. Bei rund der Hälfte aller Betroffenen kann eine Verschlechterung der Fehlstellung verhindert werden. Bei etwa einem Fünftel der von Hallux valgus Betroffenen kann eine sichtbare (Teil-)Korrektur der Fehlstellung ohne Operation erreicht werden.

Operation als letztes Mittel

Bei einer Operation werden die Knochen der Großzehe durchtrennt und anschließend wieder gerade zusammengeschraubt. Je nach Situation werden Gelenke versteift und Krallenzehen begradigt. Die Zehen stehen nachher gerade, der Hallux valgus ist beseitig. Bei einer von Spezialisten durchgeführte Hallux-Operation kann man in 85-90 Prozent aller Fälle mit einem guten Ergebnis rechnen. Mit einer Operation werden jedoch nur die Symptome der Fehlstellung behoben. Ursachen der Fehlstellung wie Knickfuß oder Spreizfuß kann man damit allerdings nicht behandeln, so dass sich später erneut ein Hallux valgus ausbilden kann.

Veröffentlicht am 22.11.2021

Publication date

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Quellenverzeichnis

  1. Endlich frei von Fußschmerzen. Der GU Ratgeber mit DVD.

    Endlich frei von Fußschmerzen! Die besten Übungen bei Hallux Valgus und anderen Beschwerden. Stella Arndt.

    Buch: 80 Seiten
    ISBN-10: 3833866888
    ISBN-13: 978-3-8338-6688-3
    Preis: 19,99 €

    Hier geht es direkt zum Buch

  2. Füße to go. Fußübungen für den Alltag, zu Hause und unterwegs. Ein Ratgeber aus dem GU Verlag.

    Füße to go. Fußübungen für den Alltag, zu Hause und unterwegs. Stella Arndt, Sigrid Westenfelder.

    Buch (Hardcover): 96 Seiten
    ISBN-10: 3833877480
    ISBN-13: 978-3-8338-7748-3
    Preis: 12,99 Euro

    Hier geht es direkt zum Buch

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