Gesundheit

Kalte Gesichtsgüsse für ein fittes Immunsystem

Die Abwehr stärken in drei Minuten

Es gibt unzählige und häufig wirklich einfache Tipps zur Stärkung der Gesundheit und des Immunsystems, ob durch kalte Güsse, spezielle Ernährung oder Sport. Mit zunehmendem Alter gewinnt man jedoch leicht den Eindruck, all diese kleinen Einheiten für Abwehrkräfte, Knie, Kreuz, Füße oder wo es nun eben einmal zwickt, würden sich allmählich zu einem Vollzeitjob summieren.

Daher ist die folgende Empfehlung von Vera Cordes Gold wert. Kalte Gesichtsgüsse stärken das Immunsystem nachweislich in maximal drei Minuten. Anders gesagt, in wortwörtlich einem Aufwasch dient die kalte Gesichtsdusche also nicht nur der Reinigung, sondern bringt gleichzeitig die körperlichen Abwehrkräfte nach vorne. Lesen Sie hier, wie Sie kalte Gesichtsgüsse richtig durchführen.

Sebastian Kneipp - Erfinder der kalten Güsse

Sebastian Kneipp (1821–1897) war zwar kein Mediziner, sondern Theologe, doch bekannt wurde er vor allem durch seine medizinischen Ratschläge. Kneipps Kaltwasseranwendungen aus dem Buch Meine Wasserkur von 1886 sind berühmt. Jedoch umfassten seine Gesundheitsratschläge nicht nur kalte Güsse, sondern erstreckten sich auch auf vollwertige Ernährung, Pflanzenheilkunde und Barfußlaufen.

Seine Programme zur Kaltwasser-Therapie werden landläufig unter dem Begriff "Kneipp-Kuren" zusammengefasst.
Die bekanntesten Anwendungen der Kneippschen Hydrotherapie sind dabei:

  • kalte Wadenwickel
  • Wassertreten
  • kalte Güsse
  • kalte Armbäder

Hydrotherapie soll die Abwehrkraft nachweislich verbessern. Am besten ist es, wenn man sie möglichst regelmäßig jeden Tag anwendet. Zu kalten Güssen und Kneipp-Therapien werden regelmäßig Studien durchgeführt, die deren Wirkung beispielsweise für folgende Fälle belegen:

  • Bluthochdruck
  • Krampfadern
  • Herzbeschwerden
  • Schlafstörungen
  • Beschwerden durch Wechseljahre
  • Stärkung des Immunsystems

Wassertreten gehört zu den gängigen Kneipp-Anwendungen zur Stärkung des Immunsystems.
Bildnachweis: AdobeStock/mmphoto

Was bewirken kalte Güsse?

Der heilsame Effekt kalter Güsse und Kneipp-Anwendungen beruht wohl auf dem Wechselprinzip von Kälte und Wärme, sowie Anspannung und Entspannung.

Bei Kälte ziehen sich unsere Blutgefäße zusammen. Das bedeutet Stress für das Gewebe, denn unser Organismus benötigt etwa 37 Grad, und das möglichst konstant. Stoppt der Kältereiz, z.B. nach dem kalten Abduschen, dann erweitern sich die Blutgefäße stark und entspannen sich wieder. In anderen Worten, nun fließt wieder viel mehr Blut durch sie hindurch. Je mehr durchblutet etwa Nase, Rachen und Mundschleimhaut sind, desto besser können Immunglobuline und andere wichtige Abwehrzellen dort Angreifer abfangen.

Gesichtsdusche für das Immunsystem

Kneippen - und zwar möglichst jeden Tag - für die Abwehrkraft in allen Ehren, aber wie praktikabel ist das im Alltag? Kalte Wechselduschen am frühen Morgen sind nicht jedermanns Sache und Wassertreten in der Badewanne ist wohl eher auch ungeeignet. Dass man das Immunsystem auch mit sehr viel weniger Aufwand auf Trab bringen kann, zeigt ein Versuch der Klinik für Naturheilkunde & Integrative Medizin der KEM Evangelische Kliniken Essen-Mitte.

Dabei hatte man untersucht, ob auch Kneippen "light" eine positive Wirkung auf das Abwehrsystem hat. Und tatsächlich scheint unser Immunsystem sogar schon bei kalten Gesichtsgüssen anzuspringen.

Bereits nach einer Woche mit täglich drei Gesichtsduschen, die auf festgelegte Weise durchgeführt wurden, fanden sich 25 Prozent mehr Immunglobuline (Ig) vom Typ A im Speichel der Probanden. IgA sind Antikörper in Mund, Nase und Rachen. Je mehr dieser Antikörper sich dort auf unseren Schleimhäuten befinden, desto weniger Chancen haben Husten- oder Erkältungsviren.

Die positive Wirkung durch Kältetherapien für den ganzen Körper scheint übrigens auch bei entzündlichen Krankheiten im Körper einzutreten. Menschen, die von Arthrose oder Arthritis betroffen sind, berichten in Studien über eine Erleichterung ihrer Beschwerden.

Der Zeitaufwand bei kalten Gesichtsgüssen hält sich in Grenzen, Drei Minuten täglich reichen aus.
Illustration: GU/Ela Strickert

So funktioniert die kalte Dusche im Gesicht am besten

Praktische Tipps zur Gesichtsdusche

Ideal ist für den kalten Gesichtsguss ein satter voller Wasserstrahl, der möglichst drucklos fließen sollte. Sehr gut funktioniert es, wenn Sie vom Duschschlauch die Handbrause abschrauben. Stellen Sie das Leitungswasser so kalt, wie Sie es aushalten. Achtung, abends die Temperatur eventuell etwas weniger kalt wählen, sonst werden Sie vor dem Schlafengehen möglicherweise wieder zu wach.

Die Version mit der Handbrause erscheint Ihnen zu unpraktisch? Dann verwenden Sie für Ihre kalten Güsse doch einfach ein Schälchen, mit dem Sie aus dem vollen Waschbecken kaltes Wasser schöpfen und über das Gesicht laufen lassen. Ausführliche Kneippgüsse mit einem weichen Wasserstrahl wie oben beschrieben sind jedoch spürbar intensiver.

So führen Sie die Gesichtsgüsse durch

Beim standardisierten Versuch der Klinik für Naturheilkunde & Integrative Medizin der KEM wurde der kalte Wasserstrahl wie folgt über das Gesicht geführt:

  • zunächst von der rechten Schläfe quer über die Stirn nach links und wieder zurück
  • dann über die rechte Gesichtshälfte dreimal senkrecht von der Stirn nach unten zum Kinn
  • ebenso auf der linken Seite
  • zuletzt dreimal rund um das Gesicht kreisend

Veröffentlicht am 24.3.2022

Veröffentlichungsdatum

… begleitet VITALISSIMO als freie Redakteurin seit April 2021.

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