Gesundheit

Mit Blutspenden hohen Blutdruck natürlich senken?

Praxistipps: Was Sie selbst gegen zu hohen Blutdruck tun können

Was würden Sie gegen einen zu hohen Blutdruck lieber tun? Täglich Tabletten schlucken, Rote-Bete-Saft trinken, schwarze Schokolade essen oder doch mit Ausdauersport beginnen? Tatsächlich gibt es eine erfreuliche Vielfalt an Möglichkeiten den Blutdruck zu senken. Ganz wie unsere kleine Auswahl hier andeutet, muss das zudem nicht unbedingt und ausschließlich mit Medikamenten geschehen. Eine etwas ungewöhnliche Alternative stellte Vera Cordes schon im Gesundheitsmagazin "Visite" vor: Lesen Sie hier, wie Blutspenden gegen hohen Blutdruck helfen kann.

Welcher Blutdruck ist normal?

Eine erste Unterteilung des Blutdrucks wird nach folgenden Werten vorgenommen:

  • Werte zwischen 120/80 mmHg und 129/84 mmHg gelten als "normal".
  • Liegt ein Blutdruck zwischen 130/85 und 139/89, gilt das als "hoch-normal".
  • Ab einem Wert von 140/90 mmHg sprechen Mediziner bereits von erhöhtem Blutdruck.

Ein weiterführender Artikel stellt zusammen, was es mit systolischem/oberem Blutdruck-Wert und diastolischem/unteren Wert genau auf sich hat. Ist hoher Blutdruck denn auch Typ-Sache? Experten meinen, ja. Wie Sie als "Stress-Typ", "Bauch-Typ" und "Chaos-Typ" am besten mit Ihren Werten umgehen, zeigt der Beitrag Bluthochdruck senken mit dem 3-Typen-Konzept.

Kennen Sie Ihren Blutdruck?
Bildnachweis: AdobeStock_-forma82

Blutspenden und Bluthochdruck: eine Studie der Berliner Charité

Kann man einen hohen Blutdruck durch regelmäßiges Blutspenden senken? Offensichtlich ja. Vor einiger Zeit berichtete die Sendung "Visite" über eine wissenschaftliche Untersuchung der Berliner Charité. Dort hatte man in einer Studie mit fast 300 ProbandInnen ein Jahr lang erforscht, ob und, wenn ja, welchen Effekt es auf den Blutdruck hat, wenn man bis zu viermal im Jahr zum Blutspenden geht.

Die Ergebnisse der Studie ließen aufhorchen. Der obere/systolische Wert sank im Schnitt um 13 mmHg, der untere/diastolische um 7 mmHg. Dies ist durchaus mehr, als man mit einem Blutdrucksenker erreicht. Der erzielte Effekt war übrigens umso größer, je höher die ursprünglichen Blutdruckwerte gewesen waren. Viele Teilnehmende an der Studie konnten ihre Medikamentendosis unter ärztlicher Überwachung, anschließend daher verringern.

Eine Studie der Berliner Charité belegt: regelmäßiges Blutspenden senkt nachweislich den Blutdruck.
Illustrationen: GU/Ela Strickert

Wann hilft Blutspenden gegen zu hohen Blutdruck?

Aus der Charité-Studie lässt sich sicher nicht ableiten, dass jeder Mensch nur einfach Blut spenden muss, um sein Problem mit Bluthochdruck zu lösen. Die Wissenschaft vermutet, dass einige Menschen mehr, andere weniger davon profitieren. Bei hohen Ferritinwerten, also einem hohen Eisenspeicherspiegel, sowie bei erhöhtem Hämatokrit, anders gesagt "dickerem Blut", scheint regelmäßiges Blutspenden besonders viel zu bringen. Sprechen Sie bitte einfach mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wie es bei Ihnen mit diesen Werten aussieht.

Warum hat Blutspenden diese Auswirkungen auf den Bluthochdruck?

Welche Mechanismen durch Blutspenden in Gang gesetzt werden, ist noch nicht abschließend erforscht. Einen Teil des Effekts darf man sich wohl ähnlich vorstellen wie beim Beispiel eines prall gefüllten Reifens, aus dem etwas Luft gelassen wird. Logischerweise sinkt der Druck sofort. Warum diese Wirkung aber auch dann anhält, wenn der Körper das gespendete Blutvolumen längst wieder ersetzt hat, ist noch Gegenstand der Forschung. In der Charité untersucht man hierzu ein blutdrucksteigerndes Hormon, das bei Entnahme einer relevanten Menge Blut vermutlich in seiner Wirkung abgeschwächt wird.

Risikominderung durch Blutspenden

Bevor Sie sich nun flugs zur nächsten Blutspendeaktion anmelden, besprechen Sie diese Thematik bitte unbedingt mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Selbstverständlich gelten die üblichen gesundheitlichen Ausschlusskriterien, die jedes Mal vor einer Blutspende gewissenhaft überprüft werden müssen. Nur wenn Sie hier überall grünes Licht bekommen, sollten Sie eine solche den Blutdruck senkende Möglichkeit in Erwägung ziehen.

Ein Versuch kann dann auf jeden Fall nicht schaden. Schon eine Senkung des oberen Wertes um 10 oder des unteren um 5 mmHg vermindern das Risiko für Durchblutungsstörungen an Herz und Hirn um bis zu 40 Prozent. Selbst für Menschen mit normalem oder eher sogar niedrigen Blutdruck, sind durch Blutspenden keine Nachteile zu erwarten. Wenn Sie aufgrund der Altersbeschränkung nicht mehr zur Blutspende eingeladen werden, können Sie mit Ärztin oder Arzt die Möglichkeit eines Aderlasses besprechen.

Dunkle Schokolade mit mindestens 70 Prozent Kakao enthält blutdrucksenkende Flavanole, zudem Antioxidantien und Stimmungsaufheller. In Maßen genossen, ist sie also gesundheitsfördernd.
Bildnachweis: GU/RIIS Rene

Blutdruck senken durch Ernährung und Entspannung

Vorsicht mit Salz! Damit sind die rund 12 Gramm gemeint, die wir durchschnittlich täglich vor allem in verarbeiteten Lebensmitteln, Fertigprodukten und Wurstwaren aufnehmen. Selbst wenn sie praktisch erscheinen, sollten Sie solche Gerichte bitte lieber durch Selbstgekochtes ersetzen. Nur so wissen Sie, was genau drinsteckt. Bei salzsensitiven Menschen kann eine Salzreduktion auf 4 Gramm sogar den Effekt einer blutdrucksenkenden Tablette erzielen. Deshalb bei Hochdruck zunächst einmal vier Wochen die Salzaufnahme deutlich verringern.

Bei hohem Blutdruck besser vermeiden

  • zu viel Salz: Eine Salzreduktion auf 4 Gramm täglich bringt 5 mmHg weniger (sofern man auf Salz reagiert).
  • Lärmbelastung: Laut WHO kann eine nächtliche Geräuschkulisse von mehr als 40 dB zu stressbedingtem Bluthochdruck führen.
  • zu viel Gewicht: Jedes Kilogramm weniger bringt im Schnitt auch bereits 1 mmHg weniger.

Rote-Bete-Supersaft mit Äpfeln und Möhren hilft den Bluthochdruck zu senken.
Bildnachweis: GU/Rynio Joern

Bei Bluthochdruck täglich zu empfehlen

  • 1 Rippe sehr dunkle Schokolade: 3–4 mmHg
  • 30 g geschrotete Leinsamen: 10 mmHg
  • 30 g Walnüsse: 4–5 mmHg
  • 2 Gläser Rote-Bete-Saft
  • 2–3 Tassen grüner Tee: 3–5 mmHg

Warum ausgerechnet Rote Bete? Das nitratreiche Gemüse erweitert die Blutgefäße und senkt dadurch den Blutdruck um bis zu 10 mmHg. Wer den puren Geschmack nicht mag, kann etwas Apfel- oder Karottensaft daruntermischen.

Bei Bluthochdruck auf Pausen zur Entspannung achten - am besten mit Grünem Tee. Bildnachweis: iStock/skynesher

Bewegung und Entspannung lassen den Blutdruck sinken

"Waldbaden" heißt eine in Japan eine anerkannte Heilmethode. Der Begriff selbst geht auf das japanische "Shinrin Yoku" zurück, das 1982 eingeführt wurde. Wörtlich heißt es so viel wie "Baden in der Luft des Waldes". Die Japaner suchten damals nach einer Lösung gegen das wachsende Problem der Zivilisationskrankheiten Bluthochdruck, Herz-Kreislauf- und Immunerkrankungen.

So wurde Waldbaden in Japan ein Teil der offiziellen Gesundheitsvorsorge und ist dort längst anerkannte Heilmethode. Mittlerweile gibt es dort über 80 Waldheilungszentren, und die Effekte werden fortlaufend wissenschaftlich untersucht.

Als Koryphäe gilt Qing Li, Professor für Umweltimmunologie an der Nippon Medical School in Tokio. Nicht nur belegte seine Arbeitsgruppe, dass ein Spaziergang im Wald im Vergleich zu einem gleich schnellen und gleich langen Spaziergang entlang einer Straße deutlich heilsamer sowohl fürs Herz-Kreislauf- als auch fürs Immunsystem ist.

In einem wissenschaftlichen Experiment erforschte der Mediziner außerdem die heilsame Duftwirkung des Waldes. Dazu ließ er zwei Gruppen in zwei verschiedenen Räumen übernachten. Ohne Wissen der Teilnehmenden wurden in den einen Raum über Nacht bestimmte waldtypische Terpene eingeleitet, in den anderen nicht. Die Blutprobe am nächsten Morgen bewies: Bei denen, die unter Dufteinwirkung geschlafen hatten, war die Konzentration der Killerzellen gestiegen. Zudem waren Blutdruck, Blutzucker und das Stresshormon Cortisol im Vergleich zum Vorabend und zur anderen Gruppe ohne Walddüfte hingegen deutlich gesunken.

Regelmäßige flotte Bewegung hilft den Bluthochdruck in Griff zu bekommen. Bildnachweis: Shutterstock/ Matej Kastelic

Sie müssen jetzt nicht gleich losziehen, um Bäume zu umarmen, wenn Sie Ihren Blutdruck dauerhaft senken möchten. Doch da schon nach einem einzigen Training der Blutdruck für mehrere Stunden deutlich absinkt, sollten Sie in der Tat regelmäßige Bewegung in Ihren Alltag einbauen. Mit mindestens fünfmal die Woche 30 Minuten Ausdauertraining, wozu übrigens auch flottes Spazierengehen zählt, kann man nämlich bis zu 15 mmHg verlieren.

Wenn Sie sich etwas besonders Gutes tun wollen, dann wäre nach den Erkenntnissen von Dr. Qing Li ein Spaziergang im Wald geradezu ideal. Allerdings sorgt nicht nur flotte Bewegung für einen Rückgang des Blutdrucks. Auch tägliches Entspannen mit Yoga, Tai-Chi oder Qigong kann den Blutdruck um bis zu 9 mmHg senken.

Wann sind Tabletten nötig?

Wenn über mehrere Monate hinweg alle Versuche gescheitert sind, den Blutdruck mit einer Umstellung von Ernährung und Bewegung zu senken, führt an Tabletten kein Weg vorbei. Blutdrucksenker sind außerdem immer dann sofort nötig, wenn der Druck aus medizinischer Sicht besorgniserregend hoch ist. Aber selbst dann lohnen sich die vorgestellten begleitenden Maßnahmen.

Hochdruck gilt als stiller Killer. Bleibt er über Jahre unbehandelt, schädigt er die Blutgefäße in Herz, Hirn und Nieren und bereitet Herzinfarkt und Schlaganfall den Weg. Neuere Erkenntnisse des Max-Planck-Instituts Leipzig zeigen, dass die gefährlichen Veränderungen sogar schon bei jungen Erwachsenen im Alter von etwa 30 Jahren Spuren im Gehirn hinterlassen.

Besonders wichtig: Sprechen Sie alle Maßnahmen immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Bitte kein eigenmächtiges Absetzen oder Dosieren von Blutdrucktabletten. Zwar ist es durchaus möglich, dass man sich zu Beginn der den Blutdruck senkenden Behandlung matter fühlt als vorher, denn schließlich ist Ihr Körper jahrelang unter Hochdruck gelaufen. Aber wenn sich das System erst einmal auf die neuen Verhältnisse eingestellt hat, verschwinden auch die unerwünschten Nebenwirkungen meistens wieder.

Veröffentlicht am 01.3.2022

Veröffentlichungsdatum

… begleitet VITALISSIMO als freie Redakteurin seit April 2021.

Quellenverzeichnis

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