Ernährung

Mit der richtigen Ernährung Corona vorbeugen?

In unserem Interview erklärt Dr. Johannes Coy, wie man durch die richtige Ernährung einen schweren Corona-Verlauf verhindern kann

Mit richtiger Ernährung einer schweren Corona-Erkrankung vorbeugen? Geht, sagt Dr. Johannes Coy, Autor der GU-Ratgeber "Die neue Anti-Krebs Ernährung" und "Fit mit Zucker". Im Interview mit VITALISSIMO erklärt er, was an Corona Erkrankte tun können – und wie man durch die richtige Ernährung einen schweren Verlauf verhindern kann.

Herr Dr. Coy, macht Zucker Corona schlimmer? 
DR. JOHANNES COY: Ja. schon kurz nach Beginn des Ausbruchs des SARS-CoV-2-Virus in Wuhan haben dortige Ärzte festgestellt und Studien hierzu publiziert, dass hohe Blutzuckerspiegel zu schweren Verläufen der Corona-Erkrankung führen und darauf hingewiesen, dass hohe Blutzuckerspiegel bei Corona-Patienten vermieden werden müssen. Die gefährliche Rolle von hohen Blutzuckerspiegeln als Ursache für schwere Verläufe einer Corona-Erkrankung wurde seitdem in vielen Studien bestätigt. Eine aktuell publizierte Studie hat gezeigt, dass dies sogar der entscheidende Faktor ist und auch jüngere Menschen ohne typische Vorerkrankung dann schwere Verläufe erleiden. 

Heißt dies, dass man keinen Zucker mehr essen soll, wenn man sich mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert hat?
Man sollte die Menge des Zuckers Glukose deutlich reduzieren. Da der Großteil der Glukose in Form von stärkehaltigen Lebensmitteln wie Brot, Nudeln, Reis und Kartoffeln aufgenommen wird, ist es wichtig, sowohl die Glukose aus dem Haushaltszucker als auch die Glukose aus den stärkereichen Lebensmitteln zu reduzieren. Ob der Zucker aus Zuckerkristallen oder aus Stärke stammt, ob er süß oder nicht süß schmeckt, macht hinsichtlich des Blutzuckerspiegels keinen Unterschied. Entscheidend ist, ob der Glukosespiegel im Blut stark ansteigt, denn dann wird der Treibstoff für die Vermehrung der SARS-CoV-2-Viren geliefert.

Kann man also sagen: Je mehr Zucker, desto schlimmer wird meine Corona-Erkrankung?
Ja, es konnte gezeigt werden, dass die Virusvermehrung direkt mit der Menge an Zucker im Blut zusammenhängt. Es kommt aber auf die Art des Zuckers an, ob die Virusvermehrung gefördert wird.

Macht Zucker eine Corona-Infektion schlimmer? Ja, sagt unser Experte Dr. Johannes Coy. Bildnachweis: iStock/ollo

Wie erklären Sie sich das wissenschaftlich?
Der Zucker Glukose kann sehr leicht in den Zucker Ribose umgebaut werden. Da der Zucker Ribose wiederum als Baustein für die Bildung des SARS-CoV-2-Virus sowie aller anderen Viren benötigt wird, ist die Umwandlung des Zuckers Glukose in Ribose der entscheidende Schritt für die Bildung von Viren. Wenn man also Glukose in der Nahrung reduziert, wird die Umwandlung von Glukose in Ribose gehemmt, so dass auch weniger Bausteine für die Bildung von Viren vorhanden sind. 

Bei Corona-Patienten mit schwerem Verlauf tritt eine starke Schädigung der Lungen auf, so dass es zu einem Sauerstoffmangel kommt und viele Patienten trotz intensivmedizinischer Behandlung sterben. Hat Zucker auch damit zu tun?
Ja, der Zucker Glukose fördert nicht nur die Virenbildung, sondern führt auch zu einem Überschießen des Immunsystems, bei dem Immunzellen in die Lunge einwandern und diese massiv schädigen. Das SARS-CoV-2-Virus infiziert dabei bestimmte Immunzellen (Monozyten und Makrophagen) und verändert deren Stoffwechsel so, dass es zu einer Änderung von Verbrennungsstoffwechsel hin zum Zuckervergärungsstoffwechsel kommt und die Immunzellen nur noch Glukose als Treibstoff verwenden. Dadurch bedingt kommt es zu einem massiven Anstieg der Zuckeraufnahme in diesen Immunzellen. Daher wird radioaktiv markierte Glukose auch zur Sichtbarmachung von Lungenschäden bei Corona-Patienten eingesetzt, weil der radioaktive Zucker die Lungenschäden besonders gut sichtbar macht.

Was empfehlen Sie also Menschen, die an Corona erkrankt sind?
Dass sie mit Bekanntwerden der SARS-CoV-2-Infektion oder spätestens mit dem Auftreten erster Symptome so wenig Zucker wie möglich zu sich nehmen. Und zwar radikal, zumindest für die nächsten vier Tage, weil sich in den ersten Tagen entscheidet, ob es zu einer starken Virusvermehrung und zu einem Überschießen des Immunsystems im Körper kommt. Empfehlenswert ist eine fettreiche Ernährung – mit möglichst wenigen Kohlenhydraten, die den Blutzuckerspiegel erhöhen. 

Kann vor einem schweren Corona-Verlauf schützen: fettreiche, kohlenhydratarme Kost plus Galaktose. Bildnachweis: Shutterstock/Africa Studio

Sie meinten, dass es von der Art des Zuckers abhängt. Gibt es auch Zucker, die erlaubt sind?
Ja, die Galaktose, ein Bestandteil aus dem Milchzucker. Milchsäurebakterien spalten den Milchzucker in die Bestandteile Glukose und Galactose und vergären dann nur Glukose zu Milchsäure. Die Galaktose verbleibt dann als wertvoller Zucker in diesen vergorenen Milchprodukten wie beispielsweise Kefir und Buttermilch. Eine ketogene Ernährung, also fettreiche, kohlenhydratarme Kost und zusätzlich Galaktose ist der beste Schutz vor einem schweren Verlauf der Covid-Erkrankung.

Was macht die Galaktose so anders als Glukose?
Galaktose ist eine Form von Zucker, die bei der Zuckerspaltung in der Zelle keine Energie liefert, sondern in den Verbrennungsmaschinen unserer Zellen, den Mitochondrien verbrannt werden muss, damit die Zelle daraus Energie freisetzen kann. Galactose zwingt eine Zelle damit zur Verbrennung.

Heißt das auch, dass Galactose damit die Fettverbrennung ankurbelt?
Ja, Studien haben gezeigt, dass Galaktose bei Übergewichtigen bereits während des Essens die Fette mobilisiert und die Fettverbrennung anschaltet. Damit nimmt man schon beim Essen ab und das Übergewicht kann damit reduziert werden. Klingt das nicht toll?

Empfehlen Sie, dass man sich auch vorbeugend so ernähren sollte?
Ja, denn man muss nicht auf Kohlenhydrate verzichten, sondern nur die richtigen Kohlenhydrate auswählen, die den Blutzucker stabil halten. Ideal ist eine Ernährung, bei der Glukose in Form von Haushaltszucker und Stärke reduziert ist und dafür gesunde natürliche Zucker wie Galaktose und Tagatose genutzt werden, um den Blutzucker stabil zu halten und die Fettverbrennung anzuschalten. Körperliche Bewegung ist die ideale Ergänzung für diese gesunde Lebensweise. Diese Ernährungsweise schützt zudem vor Krebs, Herzinfarkt, Gedächtnisverlust und Alzheimer.

Bedeutet dies etwa, dass diese Zivilisationskrankheiten Gemeinsamkeiten aufweisen?
Ja, gerade kürzlich wurde in einer der renommiertesten Zeitschriften für Medizin eine Studie publiziert, die gezeigt hat, dass hohe Blutzuckerspiegel mit dem Auftreten von Herzkreislauferkrankungen und dem Tod hierdurch direkt zusammenhängen. Bereits früher haben Studien gezeigt, dass hohe Blutzuckerspiegel mit Gedächtnisverlust, Alzheimer und Krebserkrankungen verknüpft sind.

Ernährung, die vor einem schweren Corona-Verlauf schützen soll: Nüsse und Saaten sowie Beeren gehören dazu. Bildnachweis: Stocksy/mee productions

Bitte zählen Sie mal auf: Was darf ich dann noch essen?
Alle grünen Gemüsesorten, besonders alle Kohlgemüse und Wurzelgemüse wie Topinambur, Pastinaken und Schwarzwurzel, deren Kohlenhydrate den Blutzucker nicht ansteigen lassen, sind gut geeignet. Des Weiteren ölreiche Fische, Bergkäse, Eier, Butter, Sahne und insbesondere auch vergorene Milchprodukte wie Kefir und Buttermilch, die den wertvollen Zucker Galaktose enthalten, sind prima. Für Vegetarier eignet sich zudem die Süßlupine als kohlenhydratarme und ballaststoffreiche Eiweißquelle sowie Nüsse und Saaten sowie Beeren. Auch Hülsenfrüchte wie Kidney- oder Sojabohnen kann man dazu essen – davon aber nicht zu viel.

Ernährung, die vor Corona schützt. Das klingt alles zu gut, um wahr zu sein. Warum wird das beispielsweise in Krankenhäusern nicht längst praktiziert?
Sowohl bei Corona als auch bei Krebs wird oft davon ausgegangen, dass die Ernährung nicht von großer Bedeutung für den Verlauf dieser Erkrankungen ist. Bei Krebserkrankungen hat sich dies schon etwas verändert. In einigen Kliniken in den USA wird vor der Chemo- und Strahlentherapie eine ketogene Ernährung oder ein Fasten durchgeführt, um die Glukose im Körper der Krebspatienten zu reduzieren. Die Änderungen, die das SARS-CoV-2-Virus im Stoffwechsel auslöst und die enorme Bedeutung des Zuckerstoffwechsels für das Entstehen schwerer Verläufe sind ja noch nicht so lange bekannt, so dass es noch etwas Zeit dauern wird, bis diese wichtigen Erkenntnisse im klinischen Alltag umgesetzt werden. Viel einfacher ist es, für jeden, der eine SARS-CoV-2-Infektion erfährt, selbst aktiv zu werden und mit einer wenige Tage dauernden Ernährungsumstellung schweren Corona-Krankheitsverläufen vorzubeugen. 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Coy.

Klick-Tipp: Fit mit Zucker Dr. Johannes Coy im Videocast

Veröffentlicht am 20.10.2021

Publication date

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Quellenverzeichnis

  1. Cover von "Die neue Anti-Krebs-Ernährung. Wie Sie das Krebs-Gen stoppen" Dr. rer. nat. Johannes F. Coy

    Die neue Anti-Krebs-Ernährung. Wie Sie das Krebs-Gen stoppen
    Dr. rer. nat. Johannes F. Coy, GU Verlag

    Buch (Softcover)144 Seiten
    ISBN-10: 3833871199
    ISBN-13: 978-3-8338-7119-1
    Preis: 14,99 Euro (inkl. 7 % MwSt. zzgl. Versandkosten)
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  2. Cover von "Fit mit Zucker" von Dr. rer. nat. Johannes F. Coy

    Fit mit Zucker
    Dr. rer. nat. Johannes F. Coy, GU Verlag
    Buch (Softcover): 160 Seiten
    ISBN-10: 383386818X
    ISBN-13: 978-3-8338-6818-4
    Preis: 17,99 Euro (inkl. 7 % MwSt. zzgl. Versandkosten)
    >> Erfahren Sie mehr über die richtigen Zucker

     

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