Gesundheit

Sind Rückenschmerzen Anzeichen für Arthrose in der Wirbelsäule?

Spondylarthrose: Beschwerden der Wirbelsäule verstehen und aktiv angehen

Veröffentlicht am 08.08.2021

Publication date

Rückenschmerzen gelten als Volkskrankheit und zählen zu den häufigsten Gründen für Krankschreibungen oder der Verordnung von Physiotherapie. Auslöser der Beschwerden ist oft ein Verschleiß der Gelenke in der Wirbelsäule. Lesen Sie mehr über Ursachen und Risikofaktoren für Arthrose in der Wirbelsäule und wie Sie aktiv zu einer Besserung Ihrer Rückenbeschwerden beitragen können.

Symptome der Wirbelsäulenarthrose

Es gibt keine Anzeichen, die sofort und direkt auf eine Spondylose beziehungsweise Wirbelsäulenarthrose schließen lassen. Bei folgenden Symptomen sollten Sie jedoch hellhörig werden und medizinischen Rat einholen, um den Ursachen Ihrer Beschwerden auf den Grund zu gehen:

- Rückenschmerzen

- ausstrahlende Schmerzen in Arme und Beine

- Einschränkungen der Beweglichkeit

- Krämpfe

- schnelle Ermüdung

- Schlafprobleme

Bevor die Diagnose Arthrose gestellt werden kann, müssen andere Ursachen für Rückenschmerzen ausgeschlossen werden wie beispielsweise:

- Muskelverspannungen oder schwache Muskulatur

- Hexenschuss

- Übergewicht

- falsche Belastungen und Überlastung beim Heben und Tragen

- psychischer Stress

- Bandscheibenvorfall

- Osteoporose

Illustration der Wirbelsäule; GU/Maria Mähler

Ausprägungen der Arthrose in der Wirbelsäule

Wirbelsäulenarthrose tritt in verschiedenen Ausprägungen auf, darunter:

- Spondylose: Bei diesem Zustand handelt es sich um degenerative Erkrankungen der Gelenke und der Knochen. Durch den Abbau können Fehlhaltungen und Schmerzen entstehen.

- Spondylarthrose: Aufgrund von Fehlhaltung oder Schonhaltung kann es zu einem übermäßigen Verschleiß kommen. Auch das Alter spielt dabei eine Rolle. Das Risiko steigt also mit der Zeit, da Abbau und Abreibung der Knochen fortlaufend stattfinden.

- Facettengelenksarthrose: Bei Facettengelenken handelt es sich um winzige Gelenke. In der Wirbelsäule geben sie zugleich Stabilität und ermöglichen die Beweglichkeit. In ihnen befinden sich zahlreiche Nervenenden und damit Schmerzrezeptoren. Bereits geringere Schäden können daher erhebliche Schmerzen erzeugen.

- Iliosakralgelenkarthrose: Das Iliosakralgelenk befindet sich im Becken und hat die Aufgabe, die Rückenwirbel zu stützen. Findet hier eine Abnutzung statt, können die Schmerzen bis hin zu den Knien und den Schultern ausstrahlen. In besonders schweren Fällen kann sogar Ihr gesamtes Bein betroffen sein. Eine Iliosakralgelenkarthrose tritt häufig auf.

Wie sind Facettengelenke aufgebaut?

Die Facettengelenke liegen zwischen den Wirbeln. Bildnachweis: shutterstock/Macrovector

Bei den Facettengelenken handelt es sich um Gelenke, die beidseitig an den Wirbelkörpern vorhanden sind. Sie ermöglichen Bewegungen in drei Achsen. Diese Art der Gelenke wird auch als Schiebegelenke bezeichnet. Da sie sich zwischen den Wirbeln befinden, benötigen sie die Bandscheiben als Puffer.

Die häufigsten Auslöser für Rückenschmerzen

Im modernen Alltag gibt es zahlreiche Ursachen für Rückenschmerzen und Arthroseerkrankung der Wirbelsäule. Stress und Hektik schlagen sich häufig in Verspannungen im Bereich der Halswirbelsäule nieder, Bildschirm- und Büroarbeit finden oft nicht an ergonomischen Arbeitsplätzen, sondern mit gerundetem Rücken statt. Und selbst in der Freizeit sitzen wir gerne und schauen aufs Handy um uns zu “entspannen”.

Wussten Sie, dass bei aufrechter Körperhaltung das Gewicht des Kopfes die Halswirbelsäule mit etwa vier bis sechs Kilo belastet? Wenn wir allerdings im 60-Grad-Winkel auf unser Handy schauen, belasten wir unsere Halswirbel mit einem Gewicht von etwa 30 Kilogramm. Kein Wunder, dass Schmerzen im Bereich der Nackenwirbel und Schultern inzwischen weit verbreitet sind.

Fehlende Bewegung, zu langes Sitzen, einseitige Belastungen und zuletzt auch falsche Ernährung führen auf Dauer zu zahlreichen Problemen im Bereich der gesamten Wirbelsäule. 

Schmerzen im Nacken? Kein Wunder: Wenn wir im 60-Grad-Winkel (auf PC oder Handy) schauen, belasten wir unsere Halswirbel mit einem Gewicht von rund 30 Kilogramm. Bildnachweis: AdobeStock/insta_photos

Was kann der Fachmann bei Wirbelsäulenarthrose tun?

Wenn Arthrose in der Wirbelsäule bereits besteht, ist nur noch eine symptomatische Behandlung möglich, die so zeitig wie möglich erfolgen sollte. Zunächst geht es darum mit geeigneten Medikamenten zum einen zunächst das akute Schmerzlevel senken, zum anderen mit der richtigen Bewegungstherapie einem schwereren Verlauf vorbeugen.

In der Regel muss hierfür aber zunächst eine umfassende Bildgebung mit MRT und Röntgen erfolgen.  Beide Untersuchungen stellen den Zustand der Knochen, Wirbel und Bandscheiben dar, auf den die anschließende Therapie abgestimmt wird.

Zur Therapie bei Wirbelsäulenarthrose gehören in der Regel eine Verbesserung der Haltung durch Muskelaufbau und das Vermeiden einseitiger Belastungen. Hierdurch kommt es zur Entlastung der Wirbel im Rücken und damit des gesamten Bewegungsapparates. Mögliche Therapiemaßnahmen sind Physiotherapie, Reizstrom, Massagen oder Osteopathie.

In schwierigen Fällen von Wirbelsäulenarthrose kann ein chirurgischer Eingriff notwendig sein. Bevor ein solcher erforderlich ist, sollten Sie jedoch versuchen selbst aktiv zu werden, denn auch nach einer möglichen Operation brauchen Sie eine stabile und stützende Muskulatur.

Aktiv gegen Schmerzen bei Wirbelsäulenarthrose

Wenn Sie unter Rückenschmerzen leiden, haben Sie verschiedenste Möglichkeiten zur Linderung der Beschwerden, wie zum Beispiel:

- bessere Nährstoffversorgung

- Nahrungsumstellung

- kräftigende Übungen und geeigneter Sport

- Gewichtsabnahmen bei Übergewicht

- Veränderung der Schlafsituation: Matratze, Kissen, eingenommene Position

- Wärme und Entspannung

Antientzündliche Ernährung gegen Arthrose der Wirbelsäule. Bildnachweis: GU/Grossmann&Schuerle

Ernährung bei Arthrose der Wirbelsäule

Die Ernährung im modernen Alltag ist häufig einseitig, wir essen zu viel Fleisch, zu wenig Gemüse und häufig die praktischen Fertiggerichte. Dadurch entsteht eine Unterversorgung mit Makro- und Mikronährstoffen, die entscheidend für die Gesundheit des Knorpels sowie für stabile Gelenke sind.

Um Beschwerden der Wirbelsäulenarthrose vorzubeugen oder diese langfristig zu lindern ist eine Umstellung auf antientzündliche Ernährung sinnvoll. Optimal ist es zudem, durch ein Blutbild eventuell vorhandene Mangelzustände festzustellen und diese gezielt auszugleichen. Oftmals handelt es sich dabei um Unterversorgungen mit Vitamin D und Kalzium. Durch eine kombinierte Nahrungsergänzung kann so unter anderem auch Osteoporose vorgebeugt werden.

Mehr Bewegung bei Wirbelsäulenarthrose

Sich mehr zu bewegen um Abnutzung vorzubeugen klingt zunächst unverständlich. Doch regelmäßiger Sport, Spaziergänge und gezielte Rückengymnastik bauen stützende Muskulatur auf und erhalten sie.

Ein stabiles Muskelgerüst verhindert wiederum, dass es zu Fehlbelastungen und daraus resultierender Abnutzung an Knorpeln und Knochen kommt. Zudem wird die Durchblutung und damit auch die Versorgung des Knorpelgewebes verbessert.

Wie ist ihre Körperhaltung? Machen Sie den Selbsttest. Bildnachweis: GU/Petra Ender

Testen Sie Ihre Körperhaltung!

Stellen Sie sich vor den Spiegel und sehen Sie sich von vorne und der Seite an. Wo sind Instabilitäten und Asymmetrien? Steht der Kopf gerade oder etwas schief? Sind die Schultern gerade und tief oder fallen sie nach vorne? Machen Sie ein Hohlkreuz? Neigt sich der Körper nach vorne? Haben Sie X- oder O-Beine?

Wie stabil stehen Sie? Liegt der Fuß auf dem Boden auf oder knickt er nach innen/außen? Steht die Hüfte schief? Befinden sich die Kniescheiben auf einer Höhe? Haben Sie in der Lende unterschiedlich ausgeprägte Hautfalten? Wenn die Innenseiten der Sprunggelenke sich berühren, passt in den Abstand zwischen den Knien die flache Hand?

Wärme und Entspannung lindern Schmerzen bei Rückenschmerzen und Wirbelsäulenarthrose

Direkt applizierte Wärme auf dem schmerzenden Bereich verhindert beziehungsweise lindert Verspannungen. Die Durchblutung wird erhöht und die Schmerzen meist reduziert. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, ob in Ihrem Fall die Wärme gut tut. 

Empfehlenswert sind unter anderem:
- Körner- oder Fangokissen zum Erwärmen in der Mikrowelle
- Wärmepflaster
- Salben mit Capsaicin

Wärme gegen Schmerzen bei Arthrose: Körnerkissen zum Erwärmen in der Mikrowelle. Bildnachweis: iStock/Iryna Mylinska

Entspannungstechniken und -methoden reduzieren den Stress und damit die Anspannung. Ist die Muskulatur locker, kann das ebenfalls einen schmerzlindernden Effekt bei Wirbelsäulenarthrose haben.

Geeignet sind:
- Yoga
- Atemmeditation
- progressive Muskelrelaxation

Übung zur Muskelentspannung bei Wirbelsäulenarthrose

Versuchen Sie doch einmal diese Übung zur Muskelrelaxation, ob unterwegs oder zuhause, im Liegen oder Stehen. Nehmen Sie sich etwa 15 Minuten Zeit dafür. Wichtig dabei ist gleichmäßig und bewusst zu atmen, beim Spannungsaufbau einzuatmen, beim Loslassen auszuatmen, und das ohne zwischendurch die Luft anzuhalten.

1. Legen Sie sich auf eine Yogamatte beziehungsweise auf den Teppich oder setzen Sie sich auf einen Stuhl, in dem Sie aufrecht und bequem sitzen können. Die Arme liegen entspannt auf den Oberschenkeln, die Handflächen zeigen nach unten, die Füße stehen nebeneinander. Nehmen Sie ein paar tiefe Atemzüge, um Körper und Geist zu lockern.

2. Spüren Sie zunächst den Punkten nach, wo Ihr Körper den Boden beziehungsweise den Stuhl berührt: Kopf, Schulterblätter, linker Arm, rechter Arm, die Handflächen, oberer und unterer Rücken, Becken und Gesäß, die Oberschenkel, die Unterschenkel und die Füße. Achten Sie auf eine ruhige und gleichmäßige Atmung.

3. Nun spannen Sie mit den Füßen beginnend jeden Körperteil, der den Stuhl, Ihre Beine oder die Matte berührt, zwei- bis dreimal an. Das funktioniert am besten, wenn Sie beim Aufbauen der Spannung den Bereich gegen die Auflagefläche drücken. Halten Sie die Spannung fünf Sekunden, dann lassen Sie wieder los. Verweilen Sie zehn Sekunden lang im Ruhezustand, damit sich die Muskeln komplett entspannen können.

4. Lassen Sie sich nicht von Störgedanken aus der Ruhe bringen, sondern konzentrieren Sie sich darauf, in regelmäßigen Zügen ein- und auszuatmen.

5. Auf die gleiche Weise gehen Sie von einem Körperteil zum nächsten, bis Sie beim Kopf angekommen sind. Gehen Sie dabei immer nach dem gleichen Prinzip vor: fünf Sekunden halten. Loslassen. Zehn Sekunden entspannen.

Veröffentlicht am 05.07.2021

Publication date

Mit Vitalissimo.de startet der renommierte Ratgeberverlag Gräfe und Unzer das Online-Portal für alle, die den Chancen und Herausforderungen der Lebensmitte aktiv begegnen wollen und ohne Umwege zu den passenden Antworten und Angeboten begleitet werden möchten.

Quellenverzeichnis

  1. Das Cover von

    „Arthrose selbst heilen. Das ganzheitliche Anti-Schmerz-Programm“, Dr. Willibald Walter
    Buch (Softcover): 208 Seiten
    ISBN-10: 3833859156
    ISBN-13: 978-3-8338-5915-1
    Preis: 22,99 Euro (inkl. 7 % MwSt. zzgl. Versandkosten)

Mehr zum Thema Arthrose und Gelenkschmerzen
Schmerzen in den Gelenken?
Jede Menge Praxis-Tipps und hilfreiches Hintergrundwissen
vitalissimo Newsletter