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Sind Nahrungsergänzungsmittel bei Arthrose sinnvoll?

Wieder schmerzfrei bewegen - Nahrungsergänzung als Unterstützung für gesunde Gelenke

Eine ausgewogene Ernährung liefert in der Regel alle notwendigen Nährstoffe und Vitalstoffe. Gerade bei Gelenkschmerzen kann es jedoch sinnvoll sein, sich intensiver mit dem Thema Ernährung und Nahrungsergänzungsmitteln zu beschäftigen. In manchen Situationen besteht ein höherer Bedarf an Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen und Spezialnährstoffen für die Gelenke. Dazu gehören beispielsweise Gelenkerkrankungen wie Arthrose mit den im Hintergrund stattfindenden entzündlichen Prozessen. Außerdem Heilungsphasen, sehr starke Belastungen oder auch der reduzierte Stoffwechsel im Alter.
Einen Überblick über die wichtigsten Nährstoffe für Ihre Gelenke und deren Quellen finden Sie hier.

Wie funktioniert ein gesunder Knorpel?

Unsere Körpergelenke sind ein Leben lang ständig im Einsatz. Sie ermöglichen Bewegung, federn Stöße ab und halten uns dazu auch elastisch. Zeitweise sind Gelenke und Knorpel sehr hohen oder übermäßigen Belastungen ausgesetzt. Dies kann Spuren hinterlassen.

Die Gelenkknochen sind mit festem und gleichzeitig elastischem Knorpelgewebe überzogen. Dieses lässt die Gelenkflächen fast reibungslos aufeinander gleiten. Gelenkschmiere dient dabei nicht nur als mechanisches Gleitmittel, sie transportiert auch Wirkstoffe zur Knorpelernährung.

Darstellung eines gesunden Gelenkknorpels
Bildnachweis: GU/Joseph&Sebastian

Knorpelgewebe ist bei Erwachsenen nicht durchblutet, sondern wird allein durch die Gelenkschmiere ernährt. Auch ein erkranktes, schmerzendes Gelenk muss also abwechselnd be- und entlastet werden, damit die Gelenkschmiere diese Aufgabe überhaupt wahrnehmen kann.

Am besten kann man sich den Prozess mit dem Bild eines Schwamms vorstellen. Bei Belastung werden Abbauprodukte abgegeben, anders gesagt, der Schwamm wird ausgedrückt. Bei Entlastung dehnt der Gelenkknorpel sich wieder aus, und wird aus der Gelenkschmiere mit Nährstoffen versorgt. In anderen worten, der Schwamm saugt sich voll.

Wichtige Vitalstoffe für die Versorgung von Knorpeln und Gelenken

Für die zuverlässige Aufrechterhaltung der Gelenkfunktionen benötigen die Gewebe Nährstoffe und Wirkstoffe zum Aufbau und zur Erneuerung.
Dazu gehören

  • Mineralien und Spurenelemente: Magnesium, Kalzium, Bor, Zink, Kupfer, Selen und Mangan
  • Vitamine A, C, D und E
  • Nährstoffe wie Kieselsäure, Glucosamin, Chondroitin, Kollagen-Hydrosylat

Durch die gezielte Umstellung der Ernährung bei Arthrose gelingt es quasi nebenbei, mehr von diesen Stoffen aufzunehmen. Nicht immer aber kann unser Körper alles, was er braucht, in genügender Menge mit der Ernährung aufnehmen. Wenn eine solche Unterversorgung vorliegt, kann man diese mit natürlichen oder industriell hergestellten Nahrungsergänzungsmitteln entsprechend ausgleichen.

Natürliche Quellen für gelenkfreundliche Vitalstoffe

Vitamine für gesunde Gelenke

Besonders wichtig für starke Knochen ist Vitamin D, denn es unterstützt zusammen mit Vitamin K den Einbau von Kalzium und ist am Knorpelstoffwechsel beteiligt. Die menschliche Haut ist in der Lage, unter Sonneneinwirkung bis zu 80% des benötigten Bedarfs an Vitamin D zu bilden. Laut RKI besteht jedoch etwa bei 60% der Bundesbürger hier eine Unterversorgung, da die Sonneneinstrahlung meistens nicht ausreicht.

Natürliche Quellen für Vitamin D gibt es nicht allzu viele: Champignons, fetter Fisch oder Ei. Bei Arthrose sollten Sie daher Ihren Vitamin-D-Spiegel überprüfen lassen. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird Ihnen gegebenenfalls passend dosierte Nahrungsergänzung verordnen.

Die Vitamine C und E sorgen als starke Antioxidantien für die Gesundheit und Regeneration der Gewebsstrukturen. Somit wirken sie auch knorpelschützend. Reichlich Vitamin C ist in vielen Obstsorten sowie in Tomaten und Kohlgemüsen enthalten.
Pflanzliche Öle wie Leinöl, Weizenkeimöl sowie Walnüsse, Pekannüsse, Haselnüsse und Mandeln sind die wichtigsten Vitamin-E-Lieferanten.

Mineralstoffe für gesunde Gelenke

Kalzium liefern folgende natürliche Quellen: grünes Blattgemüse, Blattspinat, Grünkohl und Brokkoli, Petersilie, aber auch Mandeln und Sesam.

Magnesium ist für die Umwandlung von Vitamin D wichtig und einer der Baustoffe unserer Knochen. Sonnenblumen- oder Kürbiskerne, Sesam, Mandeln und Cashewnüsse sind gute natürliche Lieferanten. Auch über den Verzehr von Haferflocken, Mohn, Quinoa, Vollkornreis oder Hirse kann Magnesium aufgenommen werden. Grünes Gemüse, Hülsenfrüchte, Kakaopulver und Bananen sind ebenfalls natürliche Quellen.

Spurenelemente für gesunde Gelenke

Die Spurenelemente Zink, Kupfer, Selen und Mangan helfen Entzündungsprozesse im Knorpel zu reduzieren und unterstützen den Stoffwechsel im Bindegewebe. Am einfachsten ist es, den Speiseplan mit Nüssen zu bereichern (Cashews, Pekan- und Haselnüsse). In Haferflocken, Dinkel, Mohn und Hirse sind diese Spurenelemente übrigens auch zu finden.

Gute natürliche Siliziumquellen sind Brennnessel oder Ackerschachtelhalm. Kieselsäure gibt es zudem als Nahrungsergänzungsmittel in verschiedensten Präparaten. Bildnachweis: shutterstock/Lenushka2012

Kieselsäure (Silizium) sorgt für feste, elastische Knorpel und kann aus folgenden natürlichen Quellen gewonnen werden: Ackerschachtelhalm und Brennnessel, Haferflocken, Dinkel, Gerste, Hirse oder Naturreis, Topinambur oder Bananen.

Grüner Tee enthält übrigens neben Vitaminen A, B, B2 und B3 auch Mineralien und Spurenelemente, wie beispielsweise Kalium, Kalzium, Magnesium, Kuper oder Zink. Dem in Grüntee enthaltenen Antoxidans Epigallocatechingallat (EGCG), einem sekundären Pflanzenstoff, werden besonders viele gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben. Kein Wunder also, dass Grüntee in allen Listen zur Ernährung bei Arthrose neben Wasser das meistempfohlene Getränk ist!

Ganz natürlich: Nahrungsergänzung durch selbstgemachten Brennnesselsud

Zu Unrecht wird die Brennnessel als lästiges Unkraut gesehen. Sie ist - neben dem Ackerschachtelhalm - einer der besten natürlichen Lieferanten für Kieselsäure. Aus Ackerschachtelhalm und Brennnessel wird diese für den Körper so wichtige Siliziumverbindung zu 95% vom Darm aufgenommen. Zudem enthält die Brennnessel mit Quercetin und Kaempferol zwei sekundäre Pflanzenstoffe, die hochwirksam gegen Entzündungen sind.

Hier geht es direkt zum Rezept für einen selbstgemachten Brennnesselaufguss!

Nahrungsergänzung direkt aus der Natur mit einem selbstgemachten Brennnesselsud. Reich an Kieselsäure und sekundären Pflanzenstoffen!
Bildnachweis: GU/Kramp&Gölling

Nahrungsergänzung aus der Natur-Apotheke

Gegen entzündliche Gelenkkrankheiten ist mehr als nur ein Kraut gewachsen! Viele Heilpflanzen sind bekannt für schmerzlindernde, entzündungshemmende Eigenschaften oder ihre Wirkung als Antioxidantien.

Bei folgenden Pflanzen haben Sie entweder die Wahl zwischen dem Naturprodukt, oder als Tee, Kapsel oder Medikament zur kontrollierbaren Nahrungsergänzung. Lassen Sie sich dazu gerne in Arztpraxis oder Apotheke beraten.

Tipp: Naturprodukte besser nur verwenden, wenn Sie sie zweifelsfrei identifizieren können, und diese von Schadstoffen unbelastet sind.

Ackerschachtelhalm ist reich an Silizium und ideal zur Nahrungsergänzung bei Gelenkbeschwerden.
Bildnachweis: iStock/emer1940

Ackerschachtelhalm hat mit fast 10% seiner Trockenmasse einen hohen Anteil an Silizium (Kieselsäure).
Vorsicht beim Sammeln in der Natur: Ackerschachtelhalm lässt sich leicht mit dem giftigen Sumpfschachtelhalm verwechseln.

Seit Jahrhunderten als Heilpflanze geschätzt: die Goldrute. Bildnachweis: iStock/scisettialfio

Die Goldrute enthält Gerbstoffe und Flavonoide. Die Heilpflanze wird wegen ihrer schmerzlindernden und immunstimulierenden Eigenschaften geschätzt.

Vitamin C-Bombe mit antientzündlicher Wirkung: die Hagebutte. Bildnachweis: AdobeStock/Ulyanov

Hagebutte unterstützt mit reichlich Vitamin C die Abwehrkräfte. Das hitzeempfindliche Galaktolipid kann außerdem Entzündungsreaktionen vermindern. Wissenschaftliche Studien zeigten, dass dadurch die Einnahme von Schmerzmitteln reduziert oder ganz vermieden werden kann.

Pinienrinde ist reich an Antioxidantien. Die Präparate wirken entzündungshemmend und tragen dazu bei, das Knorpelgewebe zu schützen.

Brennnesseln sind reich an Silizium, Vitaminen und Mineralstoffen. Sie enthalten zudem antioxidativ wirkende sekundäre Pflanzenstoffe.

Kurkuma, die Zauberknolle aus Asien, hilft in jeder Form gegen entzündliche Gelenkbeschwerden. Bildnachweis: iStock/raimond klavinsh

Kurkuma: Die antientzündlichen Inhaltsstoffe werden in Kombination mit Ölen und schwarzem Pfeffer besonders gut aufgenommen. Mit der Goldenen Suppe und der Goldenen Milch haben Sie zwei wirksame Rezepte zur Eindämmung von Entzündungen und Schmerzlinderung.

Afrikanische Teufelskralle regt den Stoffwechsel und damit die Selbstheilungskräfte an. Wirkstoffe wie Harpagosid sollen das Entzündungsgeschehen dämpfen und schmerzlindernd wirken.

Traditionelles Heilmittel gegen Entzündungen und Schmerzen: der Weihrauch. Bildnachweis: AdobeStock/spline_x

Boswellia (Weihrauch) wird ebenfalls traditionell gegen Entzündungen und Schmerzen eingesetzt.

Zusätzliche Nahrungsergänzung für Knorpel und Gelenke

Bei chronischen Entzündungsprozessen entsteht im Körper ein erhöhter Bedarf an Vitalstoffen, der häufig durch Nahrungsaufnahme allein nicht mehr gedeckt werden kann. Regelmäßige Blutuntersuchungen sind daher eine Voraussetzung für die gezielte Versorgung von Gelenken und Knorpeln. Auf Grundlage der festgestellten Werte kann Ihr Arzt oder Ihre Ärztin einen individuellen Plan zur sinnvollen Nahrungsergänzung durch entsprechende Präparate aufstellen.

Präparate zur Nahrungsergänzung mit Kieselsäure, Glucosamin, Chondroitin und Kollagen

Glucosamin, Chondroitin, Kieselsäure und Kollagen werden häufig "Knorpelbausteine" genannt. Sie sorgen für Glätte und Elastizität sowie Festigkeit und Widerstandsfähigkeit von Knorpelsubstanz und Bändern. Kollagen und Glucosamin sind zudem Bestandteile der Gelenkschmiere. Sie nehmen aktiv Feuchtigkeit auf und können große Mengen Wasser binden.

Bis auf Kieselsäure, die wie oben beschrieben auch über natürliche Quellen verfügbar ist, werden diese Wirkstoffe als Nahrungsergänzungsmittel industriell hergestellt. Man erhält sie zumeist in Kapselform, häufig auch als Kombinationspräparate.

Glucosaminsulfat steckt beispielsweise in Schalen von Krebstieren, wird also mit heute üblicher Nahrung nicht aufgenommen.

Studien scheinen zu verdeutlichen, dass eine ausreichend hohe Dosierung dieser Nährstoffe, die Einnahme über einen längeren Zeitraum hinweg (mindestens drei Monate) und die Kombination von Glucosamin- und Chondroitinsulfat empfehlenswert ist.

Lassen Sie sich in jedem Fall vor dem Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln gegen Ihre Gelenkbeschwerden kompetent beraten. Achten Sie bei der Vielzahl der verschiedenen Anbieter nicht zuletzt auf deren Qualitätsstandards.

Veröffentlicht am 11.8.2021

Veröffentlichungsdatum

… begleitet VITALISSIMO als freie Redakteurin seit April 2021.

Quellenverzeichnis

  1. Dr. Food. Gesunde Ernährung für starke Gelenke. Bernhard Hobelsberger, Dr. Wolfgang Feil. GU Verlag.

  2. "Schmerzfrei bei Arthrose. Das 4-Wochen-Ernährungsprogramm" von Kathrin Dücker

    Schmerzfrei bei Arthrose. Das 4-Wochen-Ernährungsprogramm. Kathrin Dücker. GU Verlag.

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