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Veröffentlicht am 14.03.2022

Sport kann dick machen

Sie machen Sport, um endlich abzunehmen. Aber auf der Waage bewegt sich der Zeiger in die falsche Richtung. Warum Sport dick machen kann, lesen Sie hier.

Die Füße einer Frau in Sportkleidung auf einer Waage

Der Zeiger auf der Waage schlägt nach dem Sport in die falsche Richtung aus? Frustrierend, aber nicht ungewöhnlich. Bildnachweis: AdobeStock/New Africa

Sie machen Sport und bewegen sich deutlich mehr als sonst, um endlich abzunehmen. Aber auf der Waage tut sich rein gar nichts. Im Gegenteil, der Zeiger bewegt sich sogar in die falsche Richtung. Frustrierend, paradox, aber leider möglich. Unsere GU-Expertin Prof. Dr. med. Marion Kiechle klärt auf...

Warum Sport dick machen kann

Neue Studien zur Gewichtsreduktion bringen es ans Licht: Abnehmen durch Sport klappt nicht immer und – die ganz schlechte Nachricht – bei einigen Menschen sogar überhaupt nicht. Sport kann dick machen? Was sind die Gründe für diese paradox klingende Aussage?

Viel Bewegung, insbesondere an der frischen Luft, macht hungrig. Angetrieben vom Hunger und der Euphorie, die bei der Bewegung entstehen, neigen manche Menschen dazu, nach dem Sport mehr Kalorien zu sich zu nehmen, als sie bei der körperlichen Aktivität verbraucht haben. Dies hat unter anderem damit zu tun, dass der Kalorienverbrauch beim Sport meist überschätzt wird.

Ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte oder eine andere Sahnetorte haben zum Beispiel knapp 500 Kilokalorien. Wenn Sie sich diese zusätzlich zu den normalen Mahlzeiten am Sonntagnachmittag gönnen wollen, müssen Sie ganz schön ackern, um dies mit Sport wieder auszugleichen, nämlich ungefähr 80 Minuten auf den Hometrainer radeln oder 80 Minuten bei mittlerem Tempo joggen.

Hätten Sie das so eingeschätzt? Um solche Fehleinschätzungen zu vermeiden, lohnt sich die Anschaffung eines digitalen Fitnesstrackers. Dieser kann nach Eingabe der persönlichen Daten relativ verlässlich Ihren individuellen Kalorienverbrauch beim Sport berechnen.

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Dicke Belohnung: 80 Minuten Power auf dem Hometrainer für ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte. Bildnachweis: Seasons.Agency/GU Verlag/Mathias Neubauer

Sport bremst den Energieverbrauch

Eine Forschergruppe aus New York fand zudem heraus, dass der Organismus beim Sport den Verbrauch an Gesamtenergie herunterfährt. Neben der körperlichen Aktivität und der Thermoregulation, die zusammen etwa 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs ausmachen, werden 60 Prozent der Kalorien, die wir täglich zu uns nehmen, für die Arbeit unserer Organe verbraucht. Hierzu zählen Stoffwechselvorgänge in der Leber und im Gehirn, unsere Verdauung und auch die Pumpleistung unseres Herzens.

In der Studie mit 1.754 Teilnehmern zeigte sich, dass die zusätzliche Energie für den Sport kompensiert wird, indem der Körper den Energieverbrauch der Organe reduziert und Stoffwechselvorgänge gebremst werden – im Mittel 28 Prozent der durch körperliche Aktivität verbrannten Energie.

Die Forscher haben zudem den Verbrauch in Abhängigkeit vom Körpergewicht analysiert. Das überraschende Ergebnis: Bei Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit dem höchsten Body-Mass-Index (BMI) wurde nur die Hälfte der durch Bewegung oder Aktivität verbrannten Kalorien wirklich verbraucht. Bei den Probanden mit dem niedrigsten BMI waren es hingegen 70 Prozent. Anders ausgedrückt: Übergewichtige verlieren durch mehr Bewegung weniger Gewicht als schlanke Menschen.

Das klingt erst einmal enttäuschend, aber es hilft auch, die Erwartungen an Sport als Mittel zum Abnehmen realistischer zu sehen. Wer erfolgreich abnehmen will, sollte seinen gesamten Lebensstil überdenken und auch seine Ernährung entsprechend anpassen. Und wer stark übergewichtig ist (BMI von 30 oder mehr), sollte es als Einsteiger langsam angehen mit dem Sport. E-Bike anstelle von Rennrad oder Spaziergänge statt anstrengender Joggingrunden sollten dann erst mal die Wahl sein. Wenn die ersten Pfunde purzeln, fällt die Bewegung leichter, die Intensität kann erhöht werden und der Sport wirkt sich dann auch immer effizienter aufs Gewicht aus.

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Erste Hilfe gegen Heißhunger nach dem Sport: ein Glas Wasser. Bildnachweis: AdobeStock/goodluz

Heißhunger nach dem Sport verhindern

Sie haben sich beim Sport so richtig ausgepowert und haben das Gefühl, Ihr Körper (und Sie) haben sich dringend etwas zu essen verdient? Dann greifen Sie nicht zu Schokolade, Kuchen und Co., denn die belasten zum einen Ihr Kalorienkonto und sorgen zum anderen nur für ein kurzes Sättigungsgefühl. Gesunde und zugleich Sattmacher-Snacks sind Bananen, Hüttenkäse oder auch ein gekochtes Ei. Oft hilft es auch schon, ein großes Glas Wasser zu trinken, um das Hungergefühl zu stoppen. Achten Sie zudem darauf, auch vor dem Sport eine Kleinigkeit zu essen, zum Beispiel klein geschnipseltes Gemüse oder eine Handvoll Nüsse.

Dies ist ein Beitrag aus unserer exklusiven Reihe Gesundheitsquickies der GU-Expertinnen Prof. Dr. med. Marion Kiechle und Julie Gorkow.

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Die Spiegel-Bestseller-Autorinnen Julie Gorkow (links) und Prof. Dr. Marion Kiechle. Bildnachweis: Kay Blaschke
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