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Stammzellentherapie in der Arthrosebehandlung

Rhizarthrose: Verschleiß im Daumensattelgelenk mit Stammzellentherapie behandeln

Bislang gibt es keine gesicherte Studienlage, die den Einsatz von regenerativen Therapien zur Behandlung von Arthrose eindeutig empfehlen würde. Allerdings wird derzeit viel im Bereich Stammzellentherapie mit ASC ("adipogene stem cells", also Stammzellen aus Fettgewebe) im Einsatz gegen Gelenkverschleiß geforscht. Und die Ergebnisse bei Rhizarthrose lassen hoffen!

Stammzellentherapie bei Rhizarthrose

Arthrose äußert sich als Abbau von Knorpel und gelenksflüssigkeitsbildenden Zellen und führt zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen. Dieser Gelenkverschleiß scheint nach Auffassung des Langlebigkeitsexperten Dr. Dr. Dominik Duscher gut anzusprechen auf eine stammzellengestützte Therapie. Bei Rhizarthrose, dem Verschleiß des Daumengelenks, wurden bereits erste vielversprechende Ergebnisse erzielt.

Als Co-Autor der Wissenschaftsjournalistin Nina Ruge berichtet Dr. Duscher im 2020 erschienenen Spiegel-Bestseller „Altern wird heilbar“ über seine persönliche Erfahrung mit stammzellengestützter Therapie bei Rhizarthrose.

Rhizarthrose – schmerzhafter Verschleiß des Daumengelenks

Rhizarthrose, eine Verschleißerscheinung am unteren Daumengelenk, das am nächsten zum Handgelenk sitzt, ist eine häufig vorkommende Form der Fingerarthrose. Der Verschleiß des Knorpels in diesem Gelenk führt zu starker Bewegungseinschränkung. Der Daumen wird so instabil und kraftlos, dass Patienten es kaum noch schaffen, einen Schraubdeckel aufzudrehen oder Knöpfe zu schließen. Jede vierte Frau leidet nach den Wechseljahren daran – Rhizarthrose ist also eine Volkskrankheit.

Chirurgische und konservative Behandlung der Rhizarthrose

Bei fortgeschrittenem „Arthrosedaumen“ wird bislang als letzte Möglichkeit oft zur Trapezektomie (Entfernung eines Handwurzelknochens) geraten. Dies ist ein chirurigischer Eingriff, der in etwa drei Monate zur Ausheilung braucht und zu Einschränkungen der Handbeweglichkeit führen kann.

Wenn alle Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, wird bei Rhizarthrose zu einer Trapezektomie geraten.
Bildnachweis: GU/Lisa Borgenheimer

Derzeit gibt es verschiedene konservative und chirurgische Behandlungsmöglichkeiten der Rhizarthrose. Konservative Ansätze umfassen das Einspritzen von Hyaluronsäure oder Entzündungshemmern unmittelbar in das Gelenk. Diese Behandlungen können vorübergehend Schmerzen lindern und die Handfunktion verbessern. Jedoch sind die langfristigen Ergebnisse nicht zufriedenstellend.

Eine häufig durchgeführte Operation ist die Entfernung des Trapezbeins. Dies ist der Handwurzelknochens am Daumengrundgelenk (siehe Illustration). Dadurch werden das Daumengelenk und alle damit verbundenen Schmerzen effektiv beseitigt. Allerdings kann der Daumen seine Funktionsfähigkeit danach teilweise verlieren.

Stammzellentherapie bei Arthrose im Daumen als moderne Alternative mit dreifachem Nutzen?

Eine „Liparthroplastie“, also das Einbringen von Fettgewebe mit den darin enthaltenen Stammzellen in das geschädigte Gelenk, kann eine gute Alternative zu herkömmlichen Behandlungen der Arthrose im Daumensattelgelenk darstellen.

Stammzellen aus dem körpereigenen Fettgewebe werden zur Behandlung von Rhizarthrose direkt ins Daumensattelgelenk injiziert.
Bildnachweis: AdobeStock/fotoliaxrender

Inspiriert durch Erfahrungsberichte und Forschungsergebnisse begann Dr. Dominik Duscher gemeinsam mit Unfallchirurgen der Universität Linz, den Patienten abgesaugtes Fettgewebe in das betroffene Sattelgelenk des Daumens zu injizieren.

Vorteile der Transplantation von körpereigenem Fett:

  • schon der „Schmier-Effekt“ kann zu einer unmittelbaren Entlastung führen
  • die adipogenen Stammzellen in dem injizierten Fettgewebe können durch parakrine Ausschüttung von entzündungshemmenden Faktoren Schmerzen lindern
  • Patienten berichten, dass die Schmerzen stark nachließen, die Hand wieder an Kraft und Beweglichkeit gewann und auch über ein langfristiges Anhalten dieser Effekte

Ob die mit dem Fettgewebe injizierten Stammzellen später auch den Aufbau neuer Knorpelzellen bewirken, konnte allerdings bislang noch nicht nachgewiesen werden. Dazu bedarf es weiterer Forschungsreihen.

Vorteile der stammzellengestützten Therapie bei Arthrose

Die Vorteile dieser stammzellengestützten Therapie (es wurde Stammzellen enthaltendes Fettgewebe und keine reinen Stammzellen injiziert) liegen im wahrsten Sinne des Wortes auf der Hand:

  • minimaler Eingriff
  • einfache Anwendung
  • kurze Erholungszeit von etwa einer Woche nach der Injektion
  • und vor allem eine vielversprechende langfristige Verbesserung

Auch wenn es noch Zukunftsmusik ist: Dass Stammzellentherapie als Standardmethode künftig zur Behandlung von Arthrosen gehören könnte, lässt Betroffene hoffen.

Stammzellentherapie bei Schulter-, Knie- oder Hüftverschleiß wird bereits in vielen Zentren angeboten – derzeit jedoch noch nicht in Deutschland.

Die Empfehlung lautet daher: Sollten Sie sich dazu entschließen, dann rechrechieren Sie gründlich. Lassen Sie sich ausschließlich von Experten behandeln und meiden Sie unautorisierte Kliniken. Stammzellentherapie zur Behandlung und Schmerzlinderung bei Gelenkverschleiß ist eine junge Methode mit zum Teil großen Erfolgen – aber auch Tummelplatz für Scharlatane.

Veröffentlicht am 05.07.2021

Publication date

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Quellenverzeichnis

  1. Titelbild

    Nina Ruge, Dr. Dr. med. Dominik Duscher. Altern wird heilbar. GU Verlag.

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