Gesundheit

Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten bei Arthrose

Ernährungsumstellung, Sport oder Operation - welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Arthrose?

Bei Arthrose, genauso auch bekannt als "Gelenkverschleiß", handelt es sich um die weltweit häufigste Gelenkerkrankung. Früher nahm man an, dass sie vorwiegend Menschen höheren Alters beträfe. Tatsächlich ist Arthrose in Deutschland einer der häufigsten Gründe für eine Frühverrentung. Jedoch leiden auch zunehmend Jüngere unter der Krankheit. Hier erfahren Sie zunächst mehr über die Ursachen für eine Arthrose und lernen Symptome richtig zu deuten. Anschließend stellt Ihnen ein Überblick die vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten vor.

Symptome einer Arthrose richtig und frühzeitig deuten

Unter Arthrose versteht man die irreparable Schädigung des Gelenkknorpels durch Abnutzung und eine dadurch bedingte Veränderung des Gelenkknochens. Nach Abnutzung der schützenden Knorpelschichten in den Gelenken kann das verloren gegangene Knorpelgewebe vom Körper nämlich nicht mehr selbst ersetzt werden.

Abgesehen von den am häufigsten betroffenen Hüft-, Knie- und Fingergelenken, sind neben Schultergelenken und Wirbelsäule theoretisch auch alle anderen Gelenke des Körpers anfällig für Verschleiß.

Darstellung eines gesunden Gelenkknorpels
Bildnachweis: GU/Joseph&Sebastian

Aufbau des gesunden Knorpels

Da ein Knorpel sich meist nur allmählich abnutzt, entwickelt sich eine Arthrose häufig schleichend und unbemerkt. Mit der Zeit zeigen sich jedoch an den betroffenen Gelenken ernst zu nehmende Symptome:

  • Gelenkschmerzen anfänglich als Anlaufschmerz, bei längerer Belastung, später auch im Ruhezustand und nachts
  • Morgensteife, die sich im Laufe des Tages verbessert
  • Schwellung, Rötung und Erwärmung der betroffenen Gelenke
  • zudem eine eingeschränkte Beweglichkeit bei fortgeschrittener Arthrose

Vom gesunden Knorpel zur schweren Arthrose

Warnzeichen des Körpers frühzeitig zu erkennen, ist von enormer Bedeutung, denn nur eine frühe Behandlung ermöglicht es, die Beweglichkeit der Gelenke über einen möglichst langen Zeitraum hinweg zu erhalten und zu verbessern. Mit anderen Worten: je länger eine Behandlung der Arthrose unterbleibt, desto stärker werden die Gelenkschmerzen. Schließlich führen diese zu Verlust von Beweglichkeit bis hin zur Funktionsunfähigkeit des Gelenks.

Ein Knorpelschaden bei Arthrose entsteht meist in einem schleichenden Prozess. Je früher Symptome und Ursachen erkannt werden, desto eher kann der Abbauprozess eingedämmt werden.
Bildnachweis: GU/Joseph&Sebastian

Was sind die Ursachen für eine Arthrose?

Fachleute unterscheiden zwischen einer primären und einer sekundären Arthrose. Bei einer primären Arthrose werden die Ursachen in der Veranlagung bzw. Genetik vermutet. Dagegen sind die Hauptursachen bei einer sekundären Arthrose auf folgende Risikofaktoren zurückzuführen, die den Gelenkverschleiß fördern können:

  • Alter
  • Fehl- und Überbelastungen
  • Übergewicht
  • Krankheiten
  • Verletzungen

Orthopädische Hilfsmittel in der Arthrose Behandlung stützen und entlasten das betroffene Gelenk.
Bildnachweis: AdobeStock/Марина

Die moderne Medizin kennt vielfältige Behandlungsmöglichkeiten bei Arthrose

Zwar ist Arthrose bisher noch nicht heilbar, doch mit Therapie mittlerweile gut in Griff zu bekommen. Ziel aller Behandlungsmethoden ist es, die Beweglichkeit der Gelenke über einen möglichst langen Zeitraum hinweg zu erhalten und dabei weitestgehende Schmerzfreiheit zu gewähren. Man unterscheidet zwischen konservativen, operativen und alternativen Behandlungsmöglichkeiten bei Arthrose. Grundsätzlich gilt, je früher mit der Therapie begonnen wird, desto erfolgversprechender sind die Aussichten.

Konservative Behandlung bei Arthrose

Die klassische Schulmedizin sieht folgende Behandlungsmöglichkeiten bei Arthrose vor:

  • Medikamentöse Behandlung:
    Medikamente eignen sich sowohl, um auftretende Symptome kurzfristig zu lindern als auch, um das Voranschreiten der Krankheit dauerhaft aufzuhalten. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) gelten ähnlich wie bei Arthritis hierbei als die wichtigsten Medikamente in der Arthrose-Therapie. Schmerz- und Entzündungshemmer wie ASS, Diclofenac, Ibuprofen etc. wirken bei Arthrose erfahrungsgemäß sehr gut. Sie können jedoch unerwünschte Nebenwirkungen mit sich bringen. Bei akuten Arthrose-Schmerzen kann eine Kortisonspritze in das Gelenk helfen, denn Kortison wirkt entzündungshemmend. Dadurch beruhigt sich das Gelenk und schwillt ab. Diese Therapiemöglichkeiten stellen jedoch keine dauerhafte Lösung dar.
  • Krankengymnastik und physikalische Therapie:
    Vor allem im frühen Stadium der Arthrose lohnt es sich, zuerst auf nicht-medikamentöse Behandlungen zu setzen. Besonders empfohlen werden hier Krankengymnastik und physikalische Therapieformen. Während Krankengymnastik darauf abzielt, mit gezielten Übungen Gelenke zu schützen und wieder beweglich zu machen, können Massagen sowie Wärme- und Kälteanwendungen unterstützend eingesetzt werden. Sie fördern den Muskelaufbau und lindern die Beschwerden. Ebenso können Elektro- und Ultraschalltherapie den Verlauf des Gelenkverschleißes positiv beeinflussen.
  • Orthopädische Hilfsmittel:
    Einlagen, Schienen sowie spezielle orthopädische Schuhe können Fehlbelastungen vermeiden und Gelenke stabilisieren.
  • Muskelaufbau und Sport:
    Besonders eignen sich Übungen, die Gelenke schützen und gleichzeitig wieder beweglich machen. Gelenkschonende Sportarten sind zum Beispiel Schwimmen, Radfahren, Tai-Chi oder Nordic Walking sowie einfache Spaziergänge. Wussten Sie übrigens, dass es für Muskelaufbau nie zu spät ist? Durch gezieltes Training stabilisieren Sie nicht nur die betroffenen Gelenke, sondern schützen sich vor vielen der sogenannten Alterskrankheiten.

Wichtig bei Arthrose: Bleiben Sie in Bewegung, denn nur so werden die Gelenke optimal versorgt. Zur Behandlung einer Arthrose eignen sich alle gelenkschonenden Sportarten wie beispielsweise Nordic Walking.
Bildnachweis: AdobeStock/Aleksandra Suzi

Operative Behandlungsmöglichkeiten bei Arthrose

Grundsätzlich sollte eine Operation erst infragekommen, wenn konservative und alternative Behandlungsmöglichkeiten die Schmerzfreiheit und Aufrechterhaltung der Beweglichkeit nicht mehr gewährleisten können. Abhängig vom Schweregrad der Arthrose stehen verschiedene Methoden zur Verfügung.

  • Gelenkspiegelung (Arthroskopie): Bei dieser Operation beseitigen die Ärzte entzündetes Gewebe und lose Knorpelteile.
  • Knorpeltransplantation: Hierbei werden zuerst körpereigene Knorpelzellen neu generiert und dem Patienten anschließend eingesetzt. Diese Behandlungsmethode eignet sich eher für Patienten im Frühstadium der Erkrankung.
  • Gelenkumstellung: Bei Fehlstellungen und daraus resultierenden einseitigen Belastungen kann diese Operation sinnvoll sein. Hierbei wird der betreffende Knochen durchtrennt und neu fixiert.
  • Gelenkprothese (Endoprothese): Wenn sich der Patient bereits in einem späteren Stadium der Arthrose befindet, wird das betroffene Gelenk durch ein künstliches ausgetauscht.
  • Gelenkversteifung: Nicht alle Gelenke im Körper lassen sich durch Prothesen ersetzen. In einer Operation können Gelenke daher auch gezielt versteift werden. Dies lindert Beschwerden, hat aber auch zur Folge, dass Beweglichkeit eingebüßt wird.

Akupunktur zur Schmerzlinderung ist häufig Teil einer umfassenden Arthrose Behandlung.
Bildnachweis: iStock/Dean Mitchell

Alternative Behandlungsmöglichkeiten bei Arthrose

Ebenso gibt es mittlerweile eine Vielzahl neuer Therapieansätze, die eine Alternative zur klassischen Schulmedizin bieten. Einige wurden bereits in klinischen Studien erprobt, andere befinden sich noch in der Pilotphase.

  • Stammzellentherapie in der Arthrose-Behandlung:
    Diese noch junge Behandlungsmethode nutzt körpereigenen Stammzellen, die aus dem Fettgewebe gewonnen werden. Erste Pilotstudien deuten darauf hin, dass Stammzellen eine entzündungshemmende und regenerative Wirkung haben können. Demzufolge kann eine Injektion von Stammzellen in die betroffene Körperregion Entzündungsprozesse mindern und Gelenkschmerzen erheblich lindern.
  • Akupunktur:
    Mithilfe von Akupunktur-Nadeln werden bestimmte Punkte auf der Haut stimuliert. Dadurch sollen Schmerzen reduziert und die Beweglichkeit verbessert werden.
  • Heil- und Basenfasten:
    Erste klinische Studien zeigen, dass Heilfasten und Basenfasten eine positive Auswirkung bei Arthrose haben können. Sie bewirken eine Reduktion des Säuregehaltes, was wiederum hilft, Entzündungen im Körper zu reduzieren. Fasten bewirkt außerdem eine Gewichtsreduzierung, die sich zusätzlich positiv auf die Gelenke auswirkt.

Ob mit Quark oder Kohlblättern - Gelenkwickel sind eine traditionelle und wirksame Behandlungsmöglichkeit, die bei Arthrose schmerzlindernd und entzündungshemmend wirkt.
Bildnachweis: iStock/lvinst

Möglichkeiten der Selbstbehandlung bei Arthrose

Ob Hausmittel, Naturapotheke oder mehrdimensionale Ansätze - Betroffene haben verschiedene Möglichkeiten, durch eigene Initiative Schmerzen bei Gelenkverschleiß zu lindern.

Gewichtskontrolle und Ernährungsumstellung

Grundlegend für jede erfolgreiche Therapie und Ihren Weg hin zu mehr Schmerzfreiheit und Beweglichkeit, ist zunächst immer das richtige Gewicht. Denn jedes Kilo weniger auf der Waage ist weniger Last auf Ihren Gelenken!
Eine Ernährungsumstellung auf Speisen mit antientzündlichen Zutaten ist dabei ein ausgezeichnetes Mittel. Nicht nur, um Entzündungstreiber zu vermeiden, sondern auch, um zugleich das Gewicht zu regulieren. Eine vorwiegend pflanzliche und vitalstoffreiche Ernährung, die auf entzündungshemmende Lebensmittel setzt, ist das A und O bei der Behandlung einer Arthrose. Mit gezielter Nahrungsergänzung können Gelenken, Knorpel und Gewebe zudem wichtige Bausteine zugeführt werden. Ob und wie die derzeit populären Sirtfoods bei Gelenkschmerzen helfen können, erklärt der entsprechende Beitrag.
Wenn Sie zu Übergewicht, Gewichtsreduktion oder Nahrungsergänzung in Ihrer speziellen Situation Fragen haben, holen Sie sich am besten Rat bei Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin oder in einer Ernährungsberatung.

Selbstgemachte Gelenkwickel und Hausmittel gegen Schmerzen

Gelenkwickel auf Basis von Quark, Heilerde oder Kohl wirken entzündungshemmend und haben außerdem eine kühlende, entkrampfende sowie schmerzlindernde Wirkung. Die jeweilige Masse muss hierfür auf ein Baumwoll- oder Leinentuch gestrichen werden. Dann umwickelt man das betroffene Gelenk damit. Auch Weihrauchsalbe und Rheumatinktur sind alte Hausmittel zur Schmerzlinderung. Warum nicht einfach einmal ausprobieren?

Mehrdimensionale und ganzheitliche Ansätze für die Arthrosebehandlung

In jüngster Zeit gibt es zunehmend Ansätze, die einzelne Therapieformen miteinander verbinden. Diese beinhalten eine Kombination aus sportlicher Betätigung, richtiger Ernährung sowie Entspannungstechniken zur Schmerzbewältigung. Das "Shaolin-Prinzip" aus dem gleichnamigen GU Ratgeber (Tempelhof, Erdogan 2020) verbindet beispielsweise Tai-Chi-Übungen zum Muskelaufbau mit Meditations- und Entspannungstechniken zur Schmerzbewältigung.

Praxisbeispiel: Entspannungsübung für eine Auszeit vom Schmerz

Nehmen Sie zuerst die Bierkutscherhaltung ein, schließen Sie die Augen und atmen Sie ein paar Mal tief ein und aus. Dann sagen Sie sich die nachstehenden Sätze nacheinander zwei- bis dreimal langsam in Gedanken vor. Konzentrieren Sie sich dabei auf jede Silbe, auf jedes Wort und seine Bedeutung und spüren Sie, wie sich die Wirkung in Ihrem Körper entfaltet. Danach erst gehen Sie zum nächsten Satz über. Am Ende der Übung holen Sie tief Luft und ziehen die Arme ganz fest an, um den Entspannungszustand bewusst zu beenden.

Die mentale Übung in der "Kutscherhaltung" hilft dabei, einen Entspannungszustand herzustellen und eine Auszeit vom Schmerz zu nehmen. Bildnachweis: GU/Petra Ender

  • Die Gedanken kommen und gehen.
  • Ich bin ganz ruhig.
  • Meine Arme sind ganz schwer.
  • Meine Beine sind ganz schwer.
  • Mein Körper ist schwer.
  • Ich bin ganz ruhig und gelassen.
  • Mein linker Arm ist warm, wohlig warm.
  • Der rechte Arm ist warm, wohlig warm.
  • Mein Becken ist warm, wohlig warm.
  • Ich bin ganz ruhig und gelassen.
  • Mein linkes Bein ist warm, wohlig warm.
  • Das rechter Bein ist warm, wohlig warm.
  • Mein ganzer Körper ist wohlig warm.
  • Ich bin ganz ruhig und gelassen.
  • Mein Herz schlägt ruhig und gleichmäßig.
  • Ich bin ganz ruhig und gelassen.
  • Meine Atmung ist ruhig und gleichmäßig. Es atmet mich.
  • Ich bin ganz ruhig und gelassen.
  • Mein Sonnengeflecht ist strömend warm.
  • Ich bin ganz ruhig und gelassen.
  • Meine Stirn ist angenehm kühl.
  • Ich bin ganz ruhig und gelassen.

Diese und anderen Methoden zur Schmerzbewältigung finden Sie im GU Ratgeber "Arthrose selbst heilen" von Dr. Martin Marianowicz und Dr. Willibald Walter.

Veröffentlicht am 26.8.2021

Veröffentlichungsdatum

… begleitet VITALISSIMO als freie Redakteurin seit April 2021.

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